Weihnachtsgrüße

Das Luciafest bringt Kerzenschein und Freudenglanz

24.12.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Miriam Püschel lebt im Herzen Schwedens und erzählt von den Bräuchen rund um das nordische Fest am 13. Dezember

Seit acht Jahren lebe ich nun schon mit meiner inzwischen sechsköpfigen Familie in Schweden. Vor drei Jahren sind wir nach Örnsköldsvik gezogen, einer Kleinstadt in der geografischen Mitte des 2500 Kilometer langen Schwedens.

Oma Püschel freute sich über das Lucia-Frühstück, das ihr die Kinder brachten.

Es ist wunderschön hier: die Natur mit Seen, Wäldern, Meer, die roten Häusle, die Sommertage, an denen es nie dunkel wird . . . Aber jetzt ist gerade Winter. Die roten Häusle und die Natur gibt es trotzdem, aber aus den nie dunkel werdenden Sommertagen sind nie hell werdende Wintertage geworden. Mein Mann Peter ist in Örnsköldsvik geboren und aufgewachsen. Jedes Jahr aufs Neue erklärt er mir, dass doch der Schnee die Wintertage genauso hell machen würde. Man muss wohl hier geboren sein, um das so empfinden zu können.

Am 13. Dezember, dem Luciatag, ist das allerdings anders. Ganz Schweden erleuchtet da in Kerzenschein und Freudenglanz.

Lucia ist ein nordisches Fest, das meines Wissen nur in den skandinavischen Ländern gefeiert wird. Das Fest wurde ursprünglich im Gedenken an eine italienische Märtyrerin aus dem 3. Jahrhundert begangen. Dies wissen jedoch die wenigsten Schweden. Lucia wird gefeiert, weil es schon immer so war und alle Generationen in einer Sache vereint werden können. Es tut gut, Licht in den oft noch schneelosen Dezember zu bringen. Das Warten auf Weihnachten wird heller. Außerdem wer- den die schwedischen Kinder nicht vom Nikolaus beglückt. Das Fest besteht aber nicht nur aus dem traditionellen Lucia-Umzug. Nein, der Luciatag und die Tage zuvor verlangen vielschichtige Vorbereitungen sowohl in den Familien als auch in Kindergärten, Schulen, Vereinen, Kirchen- gemeinden, Altersheimen und Krankenhäusern.

Lucia beginnt bei uns zu Hause an dem Tag, an dem der inzwischen auf Umzugskartongröße angewachsene Vorrat an Luciakleidern aus dem Keller geholt wird. Hier wird dann von der gesamten Familie aufgeregt ausgewählt und anprobiert. Manchmal kann man unsere Kinder

bereits in den Sommerferien diskutieren hören, welche Figur sie am diesjährigen Luciafest sein möchten. Neben der Lucia-Rolle, die durchaus auch gerne von zumindest kleineren Jungs gewählt wird, gibt es Lucias Begleiterinnen, die sogenannten „Tärnor“ (Jungfern) und „Stjärngossar“ (Sternenjungs) sowie „Pepperkaksgubbar“ und „Pepperkaksgummor“ (Pfefferkuchenmänner und -frauen), Tomtenissar (Wichtelmänner), Bäcker

und nicht zu vergessen die

Rentiere, die sich wohl heimlich aus dem Schlitten des Weihnachtsmanns in den Luciazug geschummelt haben.

Wenn es gelingt, die munter verkleidete Kinderschar gleich bei der Anprobe abzulichten, hat man das Fotomotiv der traditionellen Fotoweihnachtskarten, die dann an Verwandte und Freunde versendet werden. In Schule, Kindergarten und Kinderchor werden mit Eifer für die bevorstehenden Luciafeierlichkeiten Lieder geübt. Zu Hause besorgt man Backzutaten für die unmittelbar mit dem Luciafest verknüpften „Lussebullar“ (Luciakringel). Den dafür unverzichtbaren Safran gibt es in Ein-Gramm-Tütchen. Diese erhält man nicht wie vermutet in der Gewürzabteilung, sondern ausschließlich auf Nachfrage an der Supermarktkasse. Der Luciatag beginnt dann im „Optimalfall“ mit Frühstück am Bett (Lussebullar), von einer verkleideten und singenden Kinderschar ans Bett der Eltern gebracht. Wenn Großeltern aus Nürtingen zu Besuch sind, kommen diese in den Genuss, von diesem Brauch überrascht zu werden.

In Kindergarten und Schule dürfen die verkleideten Kinder ihre Eltern mit einem Luciaauftritt, Pfefferkuchen und alkoholfreiem Glögg, dem süßen schwedischen Glühwein, erfreuen. Da braucht es schon eine gute Logistik, damit bei vier Kindern wenigstens ein Elternteil bei den jeweiligen Feiern dabei sein kann.

Sind die Kinder in diversen Kindergruppen wie zum Beispiel dem Kinderchor aktiv, ist die Chance groß, dass nach Schulschluss noch weitere Luciafeierlichkeiten den Tag versüßen. Die „offizielle“ Lucia-Krönung von Örnsköldsvik findet am Wochenende zuvor in der Stadtkirche statt. Einige Wochen zuvor wurden alle interessierten Neuntklässlerinnen vom Stadtfotografen abgelichtet und im Schaufenster als mögliche Lucia-Kandidatinnen vorgestellt. Die ganze Stadt darf an der Abstimmung teilnehmen. Feierlich schreitet die gewählte Lucia mit ihren Gefolginnen (Tärnor), die es nicht zur Lucia des Jahres geschafft haben, durch die Straßen der Stadt, um den Lichterzug dann in der proppevollen Kirche zu beenden.

In der folgenden Woche haben diese jungen Frauen viel zu tun. Krankenhäuser, Seniorenheime und Büros wollen von dem singenden Lichterzug besucht und erfreut werden. Bis zu 60 Auftritte warten auf die singende „Lichterschar“. Nach einem intensiven Luciatag sinken meine Kinder abends zufrieden und erschöpft in ihre Betten und träumen davon, welche Luciafigur sie im kommenden Jahr sein wollen.

Mit dem Strahlen der Luciakerzen senden wir Püschels gesegnete Weihnachtsgrüße ins Ländle.

Wir grüßen alle Nürtinger, ganz besonders Oma und Opa Püschel und wünschen von Herzen „God Jul“!

 

Die Schweden-Püschels Miriam mit Peter, Tim, Lisa, Mattis und Felix

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