Paulas Nachrichten

Paula sucht die Zeitungsentenrechte

22.11.2014, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich in der Mittagspause zum Andreas gekommen. Er hat gerade eine kleine Tasse Kaffee getrunken und im Fernsehen Nachrichten geguckt. Da kam gerade der Bundespräsident. Ihr wisst schon, liebe Kinder, das ist der Typ in Berlin. Der wohnt in einem Schloss. Aber er ist kein König. Aber trotzdem vertritt er Deutschland. Er hatte Besuch von vielen Kindern. Ich habe zum Andreas gesagt: „He, hat der Zeit für Kinder? Das ist ja nett!“

Der Andreas hat gelächelt und gemeint: „Na klar. Schließlich ist er ja der Bundespräsident aller Deutschen. Da gehören natürlich die Kinder dazu. Und die Kinder berichten ihm heute darüber, wie ihre Rechte eingehalten werden.“

Ich habe den Andreas angeguckt wie ein Auto. „Rechte?“ Ich habe auf mein rechtes Watschelbeinchen geguckt. Und dann auf mein linkes.

Der Andreas hat das gemerkt und gemeint: „Naja, mit rechts und links hat das eigentlich nichts zu tun. ,Recht‘ kommt von einem uralten Wort. Das hat sich ähnlich angehört. Es bedeutet so viel wie ,aufrichten‘ oder ,gerade richten‘.“

„Ah ja“, habe ich losgeschnattert, „jetzt weiß ich es! Wenn wir streiten, habe ich recht. Das ist gemeint! Gell!“

Der Andreas hat die Augenbraue hochgezogen und gesagt: „Also, erstens hast du nur manchmal recht. Und zweitens stimmt das ungefähr. Ein Mensch kann nicht nur recht haben. Er hat auch Rechte. Er hat das Recht zu leben zum Beispiel. Er hat das Recht auf Freiheit. Er darf seine Meinung sagen. Er darf glauben, was er will. Solche Rechte sind in Deutschland in unserem Grundgesetz aufgeschrieben.“

„Ah ja! Ein Mensch hat die Rechte? Äh, und was ist mit den Entenrechten? Und den Zeitungsenten? Und den Tieren überhaupt?“, habe ich geschnattert.

Der Andreas hat gestrahlt und gemeint: „Was glaubst denn du? Der Tierschutz steht auch in unserem Grundgesetz. Seit zwölf Jahren!“

Darüber habe ich mich gefreut. Ich habe gesagt: „Ach so, und die Kinderrechte stehen dann da auch drin, gell?“

Jetzt hat der Andreas wieder nicht mehr so gestrahlt. Er hat gemeint: „Äh, naja, also, ähm, die Kinderrechte stehen da nicht drin.“

„Warum das denn nicht?“, habe ich jetzt wieder geschnattert. „Aber wenn das schon mit den Tieren drinsteht . . . Haben die Kinder dann mit dem Bundespräsidenten geschimpft?“

„Geschimpft haben sie nicht mit ihm“, hat der Andreas geantwortet. „Aber sie haben ihn schon danach gefragt. Er hat erklärt: In Deutschland haben ja alle Menschen Rechte. Und die schützen auch die Kinder. Die Kinder in Deutschland haben genug zu essen. Kranke Kinder dürfen zum Arzt. Sie sind in Sicherheit. Sie dürfen zur Schule und so. Wenn das anders wäre, müssten die Kinderrechte unbedingt zum Grundgesetz dazugeschrieben werden, hat er gesagt.“

„Hm“, habe ich gemeint. „Die Kinder dürfen in die Schule? Die müssen doch in die Schule! Oder stimmt das nicht?“

Der Andreas hat gesagt: „Stimmt! Die Kinder müssen in die Schule. Es gibt Schulpflicht. Aber die setzt ein Recht um. Das ist das Recht auf Bildung. In anderen Ländern dürfen die Kinder nicht in die Schule. Sie müssen arbeiten. Das habe ich dir schon einmal erklärt. Und dann sind die Kinder auch von Krieg, Elend und Hunger bedroht. Da muss man nach den Kinderrechten schauen.“

„Ach, dann ist das schön für all die Kinder, die hier leben“, habe ich gemeint.

Der Andreas hat mit dem Kopf genickt. Aber er hat gesagt: „Naja, aber es gibt schon auch arme Kinder hier. Nach denen müssen wir auch schauen. Kinder von armen Eltern haben es auch hier bei uns viel schwerer.“

Das habe ich verstanden. Ich habe gesagt: „Es ist toll, wenn die Rechte der Menschen aufgeschrieben werden. Dann kann jeder nachgucken. Und jeder kann einem anderen zeigen: Das ist mein Recht! Wer hat denn das erfunden?“

Der Andreas musste wieder lächeln. Dann hat er erklärt: „Die Menschen schreiben schon lange Rechte und Gesetze auf. Schon in der Bibel gab es zehn Gebote. Das waren zehn wichtige Vorschriften. Die alten Römer hatten auch Gesetze. Viele moderne Staaten machen es denen nach.“

„Zehn Gebote? Hm, da reicht ja ein Stück Papier dafür!“, habe ich gemeint.

„Tja“, hat der Andreas geantwortet, „heute ist alles natürlich nicht mehr so einfach. Deshalb braucht man ganz große Bücher. In denen schreibt man die Gesetze auf. Schau mal, da stehen die deutschen Gesetze drin!“

Und er hat mir ein dickes, rotes, schweres Buch von seinem Kollegen gezeigt. „So ein dickes Buch! Da passen ja viele Gesetze rein!“, habe ich gemeint.

Aber der Andreas hat gesagt: „Ja, ja. Aber nicht alle. Es gibt noch mehr solche Bücher!“

„Puh“, habe ich gestöhnt und gesagt: „Da würden ja Zeitungsentenrechte auch noch reinpassen. Ich hätte gerne das Recht zur Neugier und zum Fragenstellen.“

Der Andreas hat gelacht und geantwortet: „Aber Paula! Bei mir hast du doch dieses Recht sowieso!“ Eure Paula

Paulas Nachrichten