Leserbriefe

Mit der Natur arbeiten

15.07.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dr. Helmut Gundert, Wolfschlugen. Zum Artikel „Warum die Menschheit genveränderten Mais braucht“ vom 12. Juli. Nun wurde Herrn Professor Schier für seine Rückzugsgefechte mithilfe einiger anhänglicher Studenten als Plattform auch noch ein Redaktionsbesuch bei den Stuttgarter Nachrichten geboten. Seine absurden Thesen, die offenbar auch den stellvertretenden Chefredakteur zu einem Augenzwinkern veranlasst haben, bedürfen außer in zwei Punkten keiner Entgegnung.

Nicht die Leitung der Nürtinger Hochschule hat sich dem öffentlichen Druck gebeugt, das konnte sie gar nicht, denn in unserem Land gilt die Regel „Freiheit für Forschung und Lehre“, sondern Herr Professor Schier hat – und das ehrt ihn – von sich aus, um Schaden von der Hochschule abzuwenden, zugesagt, fünf Jahre auf seine „Lieblingsbeschäftigung“, die Freisetzungsversuche, zu verzichten.

Die Bäume der Biolandwirtschaft wachsen tatsächlich nicht in den Himmel, denn das geht gar nicht, aber „Bio“ ist ein Wachstumsmarkt geworden, der sich dynamisch entwickelt und immer wieder zu Angebotsengpässen führt. Die Zahl der Ökobetriebe in Deutschland stieg von 11 500 im Jahr 2000 auf 17 600 im Jahr 2007, der Gesamtumsatz an Ökolebensmitteln stieg im selben Zeitraum von 2,05 Milliarden Euro auf 5,3 Milliarden und der Lebensmittelumsatz pro Jahr und Person stieg von 25 Euro auf 64 Euro. Wo gibt es das sonst noch, außer im Ölgeschäft? Der Weltagrarrat, ein Gremium von 400 Landwirtschaftsexperten, hat im April einen Bericht zur Welternährung und Zukunft der Landwirtschaft vorgelegt und sagt: Die industrielle Landwirtschaft mit ihrem hohen Einsatz an Chemikalien und energieaufwendigen Düngemitteln trage stark zum Verlust fruchtbarer Böden und zur Verschärfung des Klimawandels bei. Höchste Priorität müsse die Förderung von Anbaumethoden haben, die den ökologischen und sozialen Bedingungen der jeweiligen Region angepasst seien. Das Gremium lehnt die Industrialisierung der Landwirtschaft ab und sagt zudem, dass eine zweite „grüne Revolution“ gefordert werden müsse, die den Menschen hilft und nicht wie bisher gegen, sondern mit der Natur arbeitet.

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