Leserbriefe

Mir tun unsere Kinder und Enkel leid

04.02.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hans Müller, NT-Oberensingen. Zum Artikel „Was ist eigentlich fremdschämen?“ vom 28. Januar. Die Schwaben können stolz sein auf ihre Vergangenheit im Land der Dichter und Denker sowie der Erfinder und Tüftler und auch darauf, dass sie die erste Landes-Verfassung unter Herzog Ulrich erstritten haben. Stolz sind sie auch darauf, dass man weltweit überall immer wieder Schwaben antreffen kann.

Jetzt allerdings passiert bei uns im Ländle etwas, worauf ich als Schwabe nicht stolz sein kann: ein sehr gut funktionierendes Verkehrssystem wird ohne Not in einer Art Größenwahn eines geldgierigen und ruhmessüchtigen Klüngels aus Politikern und Managern zerstört zugunsten eines angeblich bestgeplanten Projekts mit unkalkulierbaren Risiken, ganz abgesehen von dem Milliardenaufwand aus Steuergeldern. Erst jetzt kommen so langsam Probleme beim Tunnelbau und Grundwassermanagement heraus.

Weltweit ist das Projekt S21 durch den Protest schon bekannt. Was werden unsere Landsleute im Ausland sagen, wenn die Bilder von der Parkrodung und der Zerstörung des Hauptbahnhofs, der ein Wahrzeichen ist für die Stadt Stuttgart, um die Welt gehen? Derartiges hat es bisher noch nirgends gegeben und es entspricht meines Erachtens nicht der schwäbischen Mentalität. Sonderbarerweise soll dieses Projekt ausgerechnet bei uns hier im Schwabenland verwirklicht werden, das in ähnlicher Form in anderen Städten in anderen Bundesländern abgelehnt worden ist. Es ist und bleibt ein Schwabenstreich und ich schäme mich für alle Befürworter.

Mir tun unsere Kinder und vor allem die Enkel leid, die dann in künftigen Tagen nicht nur die Milliardenkosten zu tragen haben, sondern auch beim Warten auf die Einfahrt in den Kellerbahnhof wegen ständiger Verspätungen vor dem Fenster nur die öde Tunnelwand sehen. Allerdings könnte man ja die Tunnelwände mit den Konterfeis der Initiatoren des Projekts als Graffitis schmücken, damit man sie nicht vergisst, denn einige von ihnen werden die erste Einfahrt in den U-Bahnhof wohl nicht mehr erleben. Eigentlich schämen müssten sich aber die Initiatoren als Profiteure dieses Schwabenstreichs. Sigmund Freud hat gemeint: „Der Verlust von Scham ist das erste Zeichen von Schwachsinn.“

Leserbriefe

Wir brauchen Parteien, die Mut machen

Patrik Müller, Beuren. Zum Artikel „Die DNA der früheren CDU“ vom 15. September. Frau Kosova kann man zu ihrer gelungenen Integration in Deutschland nur gratulieren. Ich kann allerdings überhaupt nicht nachvollziehen, wie sich eine aus Usbekistan stammende Frau mit jüdischen Wurzeln, die in…

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