Leserbriefe

Mehr Bewusstsein für Geschichte entwickeln

24.02.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Schwarz, Kerkrade/Niederlande. In unregelmäßigen Abständen verfolge ich die Zeitung meiner Heimatstadt. Leider nur selten lese ich dabei Erfreuliches. Viel häufiger dagegen Schildbürgerstreiche. Was mit dem Großen Forst sich lange Jahre hinzog, mit dem Hölderlinhaus und dem Kreuzkirchpark weiterging, findet nun mit der Neckaruferbebauung einen neuen Höhepunkt. Und als ob das noch nicht reichte, gibt es jetzt das Drama um die Kunstakademie als Paukenschlag obendrauf. Dass man wichtige historische Schätze wie eine alte Brücke im Wald lieber abreißen als instand setzen will, ist man ja aus Nürtingen nicht anders gewohnt. Ich kenne zahlreiche Städte in anderen Regionen Deutschlands, die auf eine Geschichte und ein Stadtbild, wie es Nürtingen in Teilen noch aufweist, sehr stolz wären. Man würde alles dafür tun, diese Schätze zu erhalten, zu bewahren und sie touristisch zu vermarkten. Nürtingen scheint dies nicht zu gelingen.

Wenn die Kunstakademie, die erheblich zum künstlerisch-kulturellen Leben in unserer Kleinstadt beiträgt und damit Nürtingen über das Niveau eines Provinznestes befördert, sich aufgrund der Haltung der Stadt überlegt, abzuwandern, sollten die Alarmglocken schrillen. Ich werde mich für meine Heimatstadt schämen, wenn mich an dieser Stelle künftig ein Wein-Outlet begrüßt! Hätte der Weinbau hier eine lange Tradition, könnte man über so was noch nachdenken. Aber so ist es ein verloren geglaubter Wettbewerb mit Metzingen, den man nun aufnehmen möchte.

Anstatt sich auf solch hoffnungslose Spielereien einzulassen, sollte sich Nürtingen auf seine Schwerpunkte konzentrieren, die da heißen: Schulstadt, attraktive Altstadt und „Stadt am Fluss“. In kultureller Hinsicht ist man für die Größe der Stadt gut aufgestellt (Gitarrenfestspiele, Jazztage, Musiknacht, hochkarätige Ausstellungen und Galerien), man sollte dieses Potenzial nicht durch verheerende und kommerziell geleitete Fehlentscheidungen zunichtemachen. Nürtingen braucht keine Weinläden und Wohnbunker am Neckar, sondern mehr Bewusstsein für seine Tradition und Geschichte. Dann klappt es auch mit der anvisierten touristischen Komponente!

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