Leserbriefe

Maientag – der Tag der Familien

11.06.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Seit die Geschicke unserer Stadt von ursprünglich Ortsunkundigen gelenkt werden, erscheinen manche Nürtinger Herzensangelegenheiten mehr und mehr verwaschen. So auch der Maientag, den diese bürgerorientierte Stadtverwaltung keineswegs in einer Art wertschätzender Unterhaltungspflicht den Bürgern aller Altersgruppen schuldet, wie man seit Monaten immer wieder zu hören kriegt. Er ist vielmehr das Fest der Nürtinger Familien, Kinder und Schulen. So kenne ich ihn seit über 60 Jahren, so wussten es die Erzählungen von Oma und Opa, so klang es sogar aus dem Munde meines Urgroßvaters Heinrich Thumm, Jahrgang 1865 und Hochzeitsglöckner von St. Laurentius.

Hätte die Stadt kein Geld mehr – der Maientag würde es überleben. Er speist sich aus dem Geist unbändiger Lebensfreude, weil jeder Frühling das Korn sprießen, die Bäume ausschlagen und die Zweige knospen, also die Maien springen lässt, wie die alten Lieder singen. Man sagt deswegen „Maiensingen“ und nicht „Maisingen“, wie es immer wieder durchs Rathaus tönt oder in der Zeitung steht. Eine schwäbisch bescheidene, aber deswegen keineswegs geringe Wertschätzung wurde Jahr für Jahr durch das Wurstvesper für die Lehrer und Stadträte am Vorabend des Festtags ausgedrückt, eine vom Pegelstand der städtischen Kreuzerchen unabhängige Tradition, die in den letzten Jahren mit fadenscheinigen Verweisen auf den schlappen Zustand des Stadtsäckels gebeutelt worden ist.

Der Maientag ist nicht Stadtfest und nicht Volksfest. Feuerwerk, Fassanstich, Dirndl- und Krachledernenprämierung gehören woanders hin. Dieser Tag des freudigen Dankes ist vermutlich eine nachreformatorische Parallele zu Fronleichnam. Er stiftet Nürtinger Identität, egal, wer gerade im Rathaus, in Stadt und Flur seine Spuren zu hinterlassen gedenkt. Man trägt Weiß und Grün, man ist bewusst evangelisch – geschichtlich gesehen – und man singt „Geh aus mein Herz und suche Freud“, und nicht „Ein Prosit der Gemütlichkeit“. Bei den „Narzissen und den Tulipan“ kriegen alte Nürtinger wie ich nasse Augen, und dann werden Oma und Opa wieder lebendig und die seligen Momente der nicht selten kargen Kindheit.

Leserbriefe

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