Leserbriefe

Konfuzius und die Konsumgesellschaft

08.09.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hans Fröhlich, Frickenhausen-Tischardt. Zu den Artikeln „Drei Wege führen zur Klugheit“ vom 3. September. Anhand der chaotisch-sozialen Zustände der Gegenwart ist es heute mehr denn je notwendig, über Lebensweisheiten, die schon 500 Jahre vor Christi aufkamen, zu erfahren. Um den „Weg zum edlen Menschen“ im Sinne von Konfuzius annähernd zu verstehen, finde ich, dass mein Freund Reza Maschajechi die Richtlinie vom „Bauchdenker zum Kopfmenschen“ einleuchtend und umfangreich für uns gewöhnlich Sterbliche geschildert hat.

Das heutige auf Konsum aufgebaute sozial-wirtschaftliche System lässt Außenseiter im Sinne der Wohltat, wie Konfuzius es gestaltete, kaum eine Chance. Schon im Studium bekommt der Mensch ganz früh eine große Anzahl „Dosierungen“ zur späteren Eroberungsphase seines Marktanteils mit wissenschaftlich untermauerten Kenntnissen beigemengt. Diese Polarisation zum Erfolg verdrängt einen Großteil der karitativen Voraussetzungen eines gewöhnlichen Bürgers. Klug zu handeln heißt hier: Schnell einen Platz im Leben zu besitzen. Eine Fähigkeit zum Nachdenken ist nur in diesem kleinen Bereich erlaubt und der Weg zum Erfolg wird dir aufgetan. Das Nachahmen und die Erfahrung sind Trumpf. Allgemeinwissen, Kultur, Schönheitssinn und Kunst sind Begriffe, die nur eine Minorität als Bereicherung empfindet. Die Aphorismen des Konfuzius deuten zu einer Ordnung, die mit einem Wort versinnbildlicht werden kann: Philanthropie. Was modern ausgedrückt Menschlichkeit, Altruismus, Humanismus und Wohltätigkeit ist.

Das Ausmaß der Ausbeutung unseres Planeten zeigt, wie weit wir von einer nahezu asketischen Ordnung eines Konfuzius uns (noch) weiterhin entfernen.

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