Leserbriefe

Kein Recht, Tiere zu essen

02.09.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Udomar Rall, Nürtingen. Zum Artikel „Tierschutz ist eine gute Grundhaltung“ vom 25. August. Die Rechtfertigung ist misslungen. Es gibt kein Recht darauf, Tiere zu essen, genauso wenig wie Sklaven zu halten oder Frauen zu schlagen. Recht ist nicht absolut, sondern ein Konstrukt aus Machtverhältnissen und gesellschaftlicher Akzeptanz, die eine moralische Komponente haben kann. Beide sind laufender Veränderung unterworfen. Als erlaubt kann angesehen werden, was ein Mensch ohne großen Widerstand tun kann. Unter dieser Praxis leiden die Schwachen, darunter viele Menschen, die Tiere allgemein und die gesamte Umwelt.

Ich empfinde es als prinzipiell gefährlich, Lebewesen eine Würde abzusprechen und überhaupt in „wert“ und „weniger wert“ oder gar „unwert“ einzuteilen. Hat ein Kleinkind Würde? Will es mehr als essen, schlafen und spielen? Hat es im frühen Stadium ein Ich-Bewusstsein? Hat es Angst vor dem Tod? Essen wir Kleinkinder? Wie ist es mit hochgradig geistig Behinderten, die sich wie Tiere verhalten? Die gleichen Fragen! Für mich sind Tiere wie Kinder, Kinder der Evolution. Schändlich, sie zu missbrauchen.

Die moralische Reflektion von Zielen des Menschen ist äußerst unterschiedlich. Bei so manchen geht sie gegen null. Da unterscheiden sie sich kaum mehr vom Tier. Überhaupt verwischt sich die Grenze zwischen Mensch und Tier. Rational gesehen spricht nichts dagegen, einen anderen Menschen zu töten, um an seinen Besitz zu kommen, wenn der Täter nichts zu befürchten hat. Was hindert uns daran, zu töten? Einerseits ist es die gesellschaftliche Regelung in Form von Gesetzen, aber eine wesentliche Komponente kommt aus unserem Herzen. Es ist eine Frage der Bewusstseinsentwicklung.

Die wenigsten Menschen würden das Tier, das sie essen, selbst töten wollen. Warum? Weil das ein gravierender Akt von Gewalt ist. Einen Apfel vom Baum zu holen empfindet niemand als Gewaltakt. Gewalt gegen Tiere entwertet das Leben. Die ganze Tierhaltung und Tiernutzung bringt in vieler Hinsicht nur Probleme für die Menschen, für die Umwelt und ist weitgehend grausam. Christus: „Du sollst nicht töten“. Buddha: „Mögen alle Wesen glücklich sein.“

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