Leserbriefe

Interpretationen von Gottes Wille

03.11.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Eberhard Ellwanger, NT-Reudern. Zum Leserbrief „Keine Kommunion für Geschiedene“ vom 21. Oktober. Im Leserbrief wird „bewiesen“, dass Geschiedene, die wieder verheiratet sind oder halt Sex haben, von der Kommunion auszuschließen sind. Dies sei Gottes Wille, wie wir anhand der Bibel, den Werken diverser Päpste und vom Lehramt der Kirche erkennen müssen . . . Ich rege im Gegensatz zur Leserbriefschreiberin an, sehr scharf zu trennen zwischen Gottes Willen, theologischen Meisterwerken und moralbelasteten Werten. Es wird gerne auf Teufel komm raus argumentiert, wenn etwas fremd ist, daher verboten werden soll, oder die Betroffenen zumindest in einer Gedankenschublade entsorgt werden sollen, ohne vorher das Gespräch mit ihnen zu suchen.

Ein Verhaltensmuster, das in den Kirchen und in der Politik Gott sein Dank nicht immer, aber doch anzutreffen ist und gerne durch wortreiche Konstrukte untermauert wird. Siehe zum Beispiel die Werke Benedikts, welche in handlichen Schrankformaten erschienen sind. Diese helfen vielen Menschen, aber anderen gar nicht! Mir ist der aktuelle Papst sehr viel näher, weil er von der praktizierten Nächstenliebe Jesu spricht, die er gerade denen gegenüber gelebt hat, welche von der Gesellschaft ausgegrenzt waren. Diejenigen, die ihren Zeigefinger stecken lassen und sich den Mitmenschen empathisch zuwenden, sind womöglich viel näher dran am Willen Gottes. Glaubensaussagen beider noch lebender Päpste unterscheiden sich teils deutlich, obwohl sie jeweils als Vertreter Gottes fungier(t)en. Weitere ernsthafte Theologen sind in ihrem Leben zu nochmals völlig eigenen Erkenntnissen über Gottes Wort gekommen. Liegen die automatisch falsch? Gott spricht auch zu denen, die kein Abi haben – also zu allen Menschen!

Kann es dann wirklich Gottes Wille sein, dass wir dereinst zum Glaubenseinheitsbrei gelangen? Immer wieder kommt ein(e) Glaubenshüter(in) daher und meint in dürren Sätzen erklären zu können, was Gottes Wille ist und schwingt sich überheblich als Richter(in) über andere auf. Die heutige Kommunion ist eine menschliche Erfindung, die uns im Glauben, in der Nächstenliebe und in der Gottesbeziehung stärken soll und nicht in der Einteilung zwischen gut und schlecht.

Schlimm, wenn ein im Zölibat lebender Papst den Geschiedenen Enthaltsamkeit vorschreiben will und wenn das sechste Gebot bemüht wird, um diese Menschen von der Kommunion auszugrenzen. Es war noch nie unsere Aufgabe, solche persönlich motivierten Urteile zu fällen und gar als Gottes Wort zu propagieren!

Leserbriefe

Überhört Herr Grabitz kritische Stimmen?

Kai Hansen, Nürtingen. Zum Artikel „EU droht Milliardenklage wegen Pflanzenschutzmittels“ vom 11. November. Der Journalist Markus Grabitz gewährt dem weltgrößten Glyphosat-Hersteller Monsanto auf Seite eins der Wochenendausgabe der Nürtinger Zeitung eine prominente Bühne und betreibt zudem deren…

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