Leserbriefe

Der Abriss ist ein falsches Signal

07.11.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hans Köhler, Wendlingen. Nach einer Umfrage des Emnid-Instituts glauben in Deutschland 62 Prozent an Gott und 56 Prozent an Jesus Christus. Allerdings glauben nur 39 Prozent an die Auferstehung und 34 Prozent an das Ewige Leben. Der Kreuzigungstod Jesu und seine Auferstehung und das Ewige Leben sind aber die zentralen Glaubensinhalte im Christentum. Wenn daran nur noch etwas mehr als ein Drittel glaubt, dann ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten viel falsch gelaufen. Ich habe auch kein Patentrezept, wie die Kirchen in unserer zunehmend säkularisierten Gesellschaft verlorenes Terrain wieder zurückgewinnen könnten, aber eines weiß ich ganz sicher: Der Abbruch der Johanneskirche ist in diesem Kontext ein völlig falsches Signal.

Ich verkenne nicht, dass es nach evangelisch-reformatorischem Verständnis keinen zwingenden theologischen Grund gibt, allein die Kirchen als Ort der Gottessuche zu betrachten. Die Evangelische Kirche kennt keine geweihten Räume, sehr wohl aber, nach dem ehemaligen EKD-Vorsitzenden Bischof Huber, gewidmete und gewürdigte Räume. In einer Zeit immer größerer Gottesferne sind Kirchen auch „Stein gewordene Mahnwachen“. Durch ihre symbolische Kraft stellen Kirchen für viele Menschen – auch für Kirchenferne und Konfessionslose – eine sichtbare Werte-Repräsentanz dar. Kein Gemeindezentrum kann jemals die Symbolkraft, die Funktion und die Wirkung eines Kirchengebäudes entfalten. Ein Abriss einer Kirche, erst recht, wenn diese mitten im Zentrum einer Stadt steht, ist deshalb immer ein Fanal des Rückzugs.

Unsere Johanneskirche ist mit ihrer sakralen und besonderen Formensprache ein das Stadtbild prägendes Gebäude. Sie hat eine wichtige orts- und zeitgeschichtliche Bedeutung. Der Bau der Johanneskirche war nach dem Zweiten Weltkrieg notwendig geworden, weil viele evangelische Christen als Heimatvertriebene in unsere Stadt gekommen sind und das alte „Otto-Kirchlein“ zu klein geworden war. Mit der Fertigstellung der Kirche, 1964, deren Architektur das „Zelt des wandernden Gottesvolkes“ symbolisiert, waren diese Menschen sozusagen endgültig in der neuen Heimat angekommen. Die Johanneskirche ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Stadtzentrums und ein wichtiges Zeugnis der Geschichte und der baulichen Entwicklung unserer Stadt. Sie ist in diesem Sinne ein „lokales“ Baudenkmal mit orts- und zeitgeschichtlicher und kulturhistorischer Bedeutung.

Man sollte noch einmal gründlich darüber nachdenken, ob man wirklich den Abrissbagger für die Johanneskirche auffahren lassen will. Es gibt gute Beispiele für die Mehrfachnutzung von Kirchen, die im Wege von Ein-, Um- und Anbauten als Gemeindezentrum und Kirche zugleich genutzt werden.

Leserbriefe

Hotel und Biergarten – aber kein Betonbunker

Alfred Schmidt, Nürtingen. Zum Artikel „Hotel mit Biergarten am Neckar“ vom 18. Mai. Ich stimme Herrn Raimund Braun (NT 14) voll zu, wenn er die Architektur des „Hotelneubaus“ kritisiert. Recht hat er, wenn er ein Satteldach und eine Verkleinerung des Baukörpers fordert. Dann würde sich das…

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