Leserbriefe

Braune Restschwaden in Neckartenzlingen?

31.01.2014, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Zum Leserbrief „Ehrenbürger Hitler und der Gemeinderat“ vom 27. Dezember. Warum nur halten die Honoratioren von Neckartenzlingen so eifrig an ihrem Ehrenbürger Adolf Hitler fest? Wortreich werden die Untaten des Nazireiches verurteilt – aber der Ehrenbürger wird nicht abgestoßen. Ein klein wenig klammheimliches Behalten soll wohl doch sein. Als wenn es ein großer Akt wäre, die Ehrenbürgerwürde aufzukündigen – viele andere Gemeinden haben es doch bereits getan – obwohl der Geehrte schon lange tot ist.

Der Verdacht auf braune Restschwaden im Ort wird verstärkt durch ein 2012 erschienenes Buch über den Ersten Weltkrieg und die Zeit danach, das erneut kräftig von der Gemeinde beworben und gelobt wird. Neckartenzlingen war in der brauen Zeit sehr braun – das weiß man. Vielleicht sollte man den alten Anhängern ja ihren Ehrenbürger lassen. Was soll’s? Aber ein sogenanntes Heimatbuch soll doch wohl auch die Jungen erreichen – damit der alte Ungeist weiterleben kann? Das Buch enthält die unsäglichen Gedanken und Lügen der Rechten um die Zeit von 1930. Und nirgends werden die problematischen Stellen – es sind knapp ein Dutzend – gestrichen oder wenigstens als zeittypisch kommentiert! Kann man heute noch – nach allem, was wir erlebt haben – Hitlers Propagandasprüche ohne jeden Zusatz drucken und als Heimatgeschichte empfehlen? Warum geht das in Neckartenzlingen trotz Warnungen? Da wird man doch einen gewissen Verdacht nicht los. Oder?

In dem Buch wird die SPD schlichtweg als „jüdisch-marxistische Elemente“ bezeichnet – das scheint den (SPD)Bürgermeister nicht zu stören. Die Parteien hätten „eine vergiftende und zerstörende Wirkung“ heißt es und bewirkten „eine Spaltung des deutschen Volkes“. Das heißt doch nichts anderes als: die Diktatur einer einzigen Partei ist die bessere Lösung. Oder: Im Februar 1918 wurde „unser Heer, das im Westen zu einem letzten vernichtenden Schlag ausholen wollte“, durch den Streik der Arbeiter am Sieg gehindert. Das war einer der übelsten Giftpfeile, die der jungen Weimarer Republik (der ersten Demokratie auf deutschem Boden) von Hindenburg gleich zu Beginn ins Herz geschossen wurde.

Da wird eine „Heldengeschichte“ aus dem Krieg abgedruckt; eine reine Helden- und Kriegsverherrlichung, die manchen jungen Menschen, der die Wirklichkeit des Krieges nicht selbst erlebt hat, noch heute begeistern könnte – verlogen und furchtbar für einen, der noch weiß, was Krieg heißt! All das ist pure Hitler-Propaganda. Das scheint „die Gemeinde“, der gesamte Gemeinderat, offensichtlich so in Ordnung zu finden. Oh je! Der „Kampf gegen rechts“, sollte er nicht auch auf der lokalen Ebene geführt werden? Neckartenzlingen jedenfalls tut es nicht.

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