Diese Frauen sind nicht real – verdienen aber echtes Geld

Netz G’Schwätz: Weil sie keine Lust auf zickige Models hatten, hat die Agentur Clueless per KI zwei eigene geboren. Maia und Aitana haben hunderttausende Follower auf Instagram und machen einiges an Umsatz. Ist das die Zukunft der Werbung?

Maia Lima (links) und Aitana Lopez sind nicht echt, verdienen aber jede Menge Geld. Foto: Clueless Aigency
Aitana im Flugzeug. Foto: Clueless Aigency
Aitanas „Schwester“ Maia. Auch sie ist nicht echt. Foto: Clueless Aigency
Das Team der Clueless Aigency Foto: Clueless Aigency
Aitana wird retuschiert. Foto: Clueless Aigency

. „Ehrlich, Yoga am Morgen gibt mir ein tolles Gefühl. Kann ich nur empfehlen, für Körper und Geist!!“ schreibt „fit_aitana“ auf Instagram. Auf dem Bild zu sehen: Eine junge, attraktive Frau in der Kobra-Yoga-Position. Ihre Augen sind geschlossen, als würde sie die Dehnung spüren, die zart rosa gefärbten Haare fallen über ihre Schulter, ihr sportlicher Körper ist nur in knappe Kleidung gehüllt.

„Wunderschön!“, kommentiert eine Userin unter den Post. „Umwerfend!“, schwärmt eine andere. Sechseinhalbtausend Leuten gefällt das Bild der Spanierin. Das Besondere: Nichts daran ist echt. Aitana Lopez existiert nicht. Sie ist eine von einer spanischen Agentur mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellte Influencerin. Mittlerweile folgen ihr fast 300.000 Menschen auf Instagram.

So entstanden Aitana und Maia

Aitana ist das geistige Kind der spanischen Kommunikations-Agentur The Clueless. Statt sich mit echten Influencerinnen herumzuschlagen, hat sich das Management dort entschieden, ihre eigenen virtuellen Litfaßsäulen zu kreieren. So entstehen keine Reisekosten, Hotels müssen nicht bezahlt werden und vertragstreu ist das künstliche Model auch immer.

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Einmal die Woche trifft sich das Agenturteam und bespricht, wie es mit Aitana weitergeht. Welche Orte soll sie besuchen? Welche Aktivitäten wird sie posten? Was sollen die Follower die nächsten sieben Tage zu sehen bekommen?

Sogar ein Sternzeichen haben die KI-Models

Im Gegensatz zu virtuellen Models der Konkurrenz sind Aitana und ihre mittlerweile ebenfalls geborene „Schwester“ Maia Lima keine blanke Leinwand. Clueless hat sich dazu entschieden, den beiden eine komplette Hintergrundgeschichte zu verpassen – samt Hobbys und Sternzeichen.

Aitana ist Gamerin und Fitness-Liebhaberin. Maia ist ein „junges argentinisches Mädchen, mit einem schüchternen Charakter“ und, na klar, Schütze. Diese Details seien essenziell für den Erfolg der beiden Mädels, so ihre Macher. Zu Beginn hätten sie festgestellt, dass die Follower nicht wegen der Bilder kommen, sondern wegen des Lebens und ihrer Geschichten.

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Der Erfolg scheint ihnen recht zu geben. Aitana allein verdient laut Entwickler und Clueless-Gründer Rubén Cruz mehrere tausend Euro im Monat. Tendenz steigend. Das Geld fließt wohl einerseits durch Kollaborationen mit Marken wie bei echten Influencerinnen. Außerdem hat Aitana eine Fanvue-Seite. Die Plattform ist vergleichbar mit Only-Fans. Models können dort etwa erotische Inhalte gegen Geld anbieten.

Der Influencer-Markt boomt. Fast jeder zweite unter 30 folgt einem Influencer. Ein großer Teil der Social-Media-Nutzer wurden bereits influenced, also zum Kauf eines Produktes beeinflusst. Gleichzeitig steigen natürlich auch die Gagen der Models ins Unermessliche. Kim Kardashian verlangt für einen einzelnen Post angeblich eine Million Euro.

Die Produktionskosten von Aitana und Maia sind da vergleichsweise gering. Eine künstliche Intelligenz erstellt die grundlegenden Bilder. Das Clueless-Team bearbeitet diese dann nach. Die beiden Models bekommen per Photoshop Falten, ihre Haare werden etwas zerzaust und andere Unvollkommenheiten werden hinzugefügt. Der Arbeitsablauf ist also genau das Gegenteil von dem echter Models.

Auch Kritik an den künstlichen Models gibt es

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Beide Models wirken auf den meisten Bildern unglaublich echt. Das bringt auch Kritiker mit sich. Jüngere Follower könnten Maia und Aitana mit echten Frauen verwechseln und der künstlichen Perfektion nacheifern, wird bemängelt. Auch die Sexualisierung der beiden kritisieren einige. Die Models zeigen sich auf ihren Konten auffallend oft in Unterwäsche oder in Bikinis.

Die Agentur hält jedoch an ihren Plänen fest. Clueless denkt, dass sich durch die künstlichen Influencerinnen der Markt beruhigen könnte und das Werben wieder günstiger wird. Auch zu den aufreizenden Bildern stehen die Macher. „Wenn wir dieser Ästhetik nicht folgen, werden die Marken nicht interessiert sein. Um dieses System zu ändern, muss man die Vision der Marken ändern. Die Welt im Allgemeinen ist sexualisiert“, sagt Clueless-Gründer Cruz gegenüber Euronews.

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