Region

Zebrastreifen mit kurzer Haltbarkeit

17.11.2018, Von Lutz Selle — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Die Gemeinde Neckartailfingen wollte den Schulkindern etwas Gutes tun – Einige sprechen aber von einem Schildbürgerstreich

Es gibt Zebrastreifen, die für immer berühmt sind – so wie der Straßenübergang, über den die Beatles auf dem Cover des 1969 erschienenen Albums „Abbey Road“ laufen. Zwei neue Zebrastreifen in Neckartailfingen sind durch das Internet auch schon bekannt geworden. Ihre Haltbarkeit ist jedoch begrenzt. Denn die Gemeinde hat sie ohne Genehmigung erstellen lassen.

Gerade erst neu angebracht, ist der Zebrastreifen an der Ecke Nürtinger Straße/Neckarwasen schon wieder gestrichen, ebenso wie der anschließende Fußgängerweg. Foto: Jüptner

NECKARTAILFINGEN. Im Internet macht bereits das Wort „Schildbürgerstreich“ die Runde. Die Gemeinde Neckartailfingen hat an der Einmündung der Straße Neckarwasen in die Nürtinger Straße einen Zebrastreifen anbringen lassen. Ihm schließt sich ein provisorisch mit einem weißen Strich eingezeichneter Fußgängerweg auf der Fahrbahn der Straße an. Alle weißen Linien sind inzwischen mit gelben Kreuzen durchgestrichen worden. Denn die Gemeinde hatte versäumt, sich vor der Auftragsvergabe an eine Fahrbahnmarkierungsfirma eine Genehmigung bei der Straßenverkehrsbehörde des Landratsamtes Esslingen einzuholen. Bei einer folgenden Verkehrsschau mit Vertretern verschiedener Gremien in Neckartailfingen wurden die bereits vollendeten Tatsachen abgelehnt. Daher müssen die Markierungen wieder weg.

Einige Meter nach der nächsten Straßenecke starten auf der Neckarstraße, die in die Neckarallee übergeht, weitere weiße Markierungen auf der Fahrbahn. Dieser eingezeichnete Gehweg wird auch bleiben, denn er wurde von der Gemeinde beim Landratsamt beantragt und auch genehmigt. Ebenfalls wieder entfernt werden muss indes ein weiterer Zebrastreifen, der von der Hirschstraße aus die Neckarallee überquert – in der Nähe des Endes der Fußgängerbrücke über den Neckar, aber nicht genau dort. Der Zebrastreifen endet statt dessen direkt in einer Grünfläche.

Ein weiterer ungenehmigter Zebrastreifen in Neckartailfingen führt in der Neckarallee direkt auf eine Rasenfläche. Foto: Jüptner

Das war von der Gemeinde jedoch genau so gewollt. „Die Kinder sind schon immer über die Grünfläche gelaufen“, erklärt Neckartailfingens Bürgermeister Gerhard Gertitschke auf Anfrage. Ansonsten wäre ein weiterer Zebrastreifen als Querung über die Hirschstraße nötig geworden. „Aber so läuft doch keiner.“ Die Zebrastreifen habe die Gemeinde in Eigenregie anbringen lassen, zumal die Markierungsfirma schon einmal da war. „Dass die Zebrastreifen abgelehnt werden, damit haben wir nicht gerechnet.“

„Die Sicherheit der Schulkinder hat für mich die höchste Priorität“

Bürgermeister Gerhard Gertitschke

Dabei wollte die Gemeinde mit ihrer Aktion vor allem den Schulkindern etwas Gutes tun. „Die Eltern der Grundschüler sind auf mich zugekommen. Sie haben sich gewünscht, dass der Schulweg entlang der Neckarallee sicherer wird. Der Verkehr wird dort zunehmen. Da brauchten wir eine schnelle Lösung. Denn die Sicherheit der Kinder hat höchste Priorität“, so Gertitschke.

Dass es keinen durchgängigen Trottoir gibt, hat auch seinen Grund. „Der Gemeinderat hat beschlossen, dass wir erst einen Gehweg herstellen, wenn wir eine fertige Bebauung haben. Sonst müssten wir den Gehweg für die Erschließung wieder aufreißen und hätten doppelte Kosten.“ Hinzu komme, dass ein paar Grundstücke gar nicht der Gemeinde gehören. „Da können wir nicht einfach einen Gehweg machen.“

Der Fußgängerweg wird an der Neckarallee einfach auf der Straße weitergeführt. Foto: lcs

Manche Anwohner schütteln den Kopf über den provisorischen Gehweg. „Die Leute wissen nicht, was die Markierung soll und parken darauf“, sagt ein Mann.

Laut Landratsamt-Pressesprecher Peter Keck gibt es mehrere formale Voraussetzungen, die für die Einrichtung eines Fußgängerüberwegs gegeben sein müssen. So ist beispielsweise eine bestimmte Anzahl von Fußgängern pro Stunde nötig, die den Überweg nutzen. Erst nach einer Verkehrsschau könne das Landratsamt die Anbringung eines Zebrastreifens anordnen. Das Amt werde nun prüfen, ob in Neckartailfingen die Voraussetzungen für einen Fußgängerüberweg gegeben sind.

Zumindest einen ersten Erfolg kann Bürgermeister Gertitschke verbuchen: „Unser Antrag für Tempo 30 in der Neckarallee wurde inzwischen genehmigt.“

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