Weihnachtsgrüße

Von Perchten und Krampussen

23.12.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Mattea Lamparter wird es beim Warten auf den Winter im Salzburger Land nicht langweilig

Schon im November gab’s beste Langlaufbedingungen, Mattea Lamparter freut sich.

Griaß eich! Seit Juli lebe ich jetzt schon in Oberalm, zehn Kilometer südlich von Salzburg, wo ich ein Praktikum im Werkscontrolling des Bosch-Werks Hallein mache. Der Standort hier ist einer der weltweit führenden Anbieter von Diesel-Einspritzssystemen für Off-Highway-Anwendungen, wie beispielsweise Schiffe, und produziert zudem Systeme zur Abgasnachbehandlung von Nutzfahrzeugen.

Warum ich hier bin? Der Grund hat weniger mit einer Vorliebe für Common-Rail-Injektoren zu tun, sondern liegt genau vor meinem Fenster: die Berge!

Die Österreicher haben das große Glück, normalerweise nie weiter als eine halbe Stunde in ein Gebirge fahren zu müssen. Angefangen bei den Barmsteinen, Oberalms Hausberge, über den mächtigen Untersberg, der das Grenzgebiet zu Deutschland markiert, sind auch bekannte Skiregionen wie Saalbach-Hinterglemm, Altenmarkt-Zauchensee, der Dachsteingletscher oder die Ski-Welt Amadé nicht weit weg. Allein eins der Skigebiete hätte mir gereicht, um herzukommen, jetzt habe ich gleich alle vor der Haustür – Jackpot!

Bereut habe ich meine Entscheidung noch nie. Die Kollegen sind – wie man hier sagt – leiwand (super); verstehen und teilen meine Leidenschaft für die Berge (auch wenn sie mir lange nicht glauben wollten, dass man als Deutsche, die außerhalb Bayerns aufgewachsen ist, überhaupt richtig Skifahren kann!). Auch von der Kantine bin ich begeistert, es gibt tagtäglich regionale Schmankerln, insbesondere Knödel in allen Varianten: süß als Germknödel oder mit viiiiiel Käse als Kaspressknödel.

Auch beim Warten auf den Winter wird’s einem im Salzburger Land nicht langweilig. Man kann die Seele an einem der zahlreichen Seen im Salzkammergut baumeln lassen oder das Salzburger Kulturangebot, das noch mehr als nur Festspiele bietet, genießen. Hat man es an den Unmengen von asiatischen Reisegruppen vorbeigeschafft, belohnt einen die Stadt mit barocker Architektur vom Feinsten sowie einer 1A-Kaffeehausszene.

Die Vorweihnachtszeit ist von unterschiedlichen Gebräuchen geprägt. Krampus- und Perchtenläufe haben in Österreich eine lange Tradition. Krampusse, die teufelsähnlichen Begleiter des Nikolaus, kommen mit wilde Glockenklängen, zotteligem Fell, gebogenen Hörnern und furchteinflößenden Masken und ziehen Zuschauer aus der Menge, um sie mit ihrer Rute auszupeitschen. Dieses Spektakel endet am Nikolaustag. Perchten gibt es als „gute“ Schönperchte und „böse“ Schiachperchte. Beide haben Glocken bei sich, mit denen sie den Winter austreiben und sind vor allem in den Rauhnächten zwischen Weihnachten und Neujahr unterwegs. Neben Nikolaus, Krampussen und Perchten spielt das Christkind in Österreich eine große Rolle: Es bringt die Geschenke und ist Namensgeber für unzählige Christkindlmärkte im Salzburger Land. Hallein bietet neben einem schnuckligen Christkindlmarkt noch eine weihnachtliche Besonderheit: Franz Xaver Gruber, der Komponist des Weihnachtsklassikers „Stille Nacht, heilige Nacht“, wohnte hier und war als Stadtpfarrchorregent in der örtlichen Kirche tätig.

Österreich ist ein katholisches Land, wie man auch gut an den Feiertagen sehen kann. Mariä Empfängnis ist ein katholischer Feiertag, der nicht, wie oft fälschlicherweise gedacht, die Empfängnis Jesu, sondern die Empfängnis der Maria durch deren Mutter Anna würdigt. Zur Freude aller Arbeitnehmer ist daher der 8. Dezember gesetzlicher Feiertag!

Hoffentlich hat der ein oder andere jetzt auch Lust bekommen, die Ski aufs Auto zu schnallen und der A 8 (Achtung: Vignette ab Landesgrenze!) rund 400 Kilometer bis in die Berge zu den Salzburger Nockerl und Christkindlmärkten zu folgen. Auch wenn es hier meistens regnet (Stichwort: Salzburger Schnürlregen), gibt’s hier tatsächlich beste Chancen für „weiße Weihnachten“! Pfiat eich!

 

Mattea Lamparter

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