Nürtingen

Pöbelnde Rentnerin ließ sich nicht aufhalten

17.11.2018, Von Matthäus Klemke — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Weil der Streit um einen Parkplatz eskalierte, musste sich jetzt eine 66-Jährige vor dem Amtsgericht Nürtingen verantworten

Erst Polizisten beleidigt und dann versucht sich aus dem Staub zu machen – in einem skurrilen Fall musste sich am Mittwoch eine 66-Jährige vor dem Nürtinger Amtsgericht erklären.

NÜRTINGEN/FILDERSTADT. „So etwas ist wirklich selten. Das ist jetzt nicht der klassische Angriff auf einen Polizisten“, urteilte die Vorsitzende Richterin Sabine Lieberei am Mittwochmorgen und konnte sich ein kleines Lachen nicht verkneifen. Aber es geschieht wohl auch nicht jeden Tag, dass sich eine 66-jährige Frau wegen eines tätlichen Angriffs auf einen Polizeibeamten in Tateinheit mit Körperverletzung rechtfertigen muss – und das alles, wegen eines Parkplatzes.

Als am Morgen des 9. Mai zwei Polizeibeamte in der Nähe des Wochenmarkts in Filderstadt einige Parksünder zur Rechenschaft ziehen wollten, staunten sie nicht schlecht, als ein Smart unerlaubterweise gleich neben dem Streifenwagen hielt. Laut Aussage eines der Polizeibeamten sei die Angeklagte ausgestiegen, habe gesagt „Ich parke wo ich will“ und sei in Richtung Wochenmarkt gelaufen.

„Montag ist Parktag“, erklärte die Rentnerin ihr Verhalten vor Gericht, mit dem Hinweis auf den Parkplatzmangel während der Märkte in Filderstadt.

Als die Beamten der Frau drohten, ihren Wagen abschleppen zu lassen, sei die Situation eskaliert. Die Angeklagte habe sich lautstark aufgeregt und die Polizisten als „kleinkariert“ beschimpft, woraufhin diese die Personalien der Frau aufnehmen wollten.

Erfolgloser Fluchtversuch

Von der Idee hielt die Angeklagte anscheinend nicht viel und soll das mit einem klaren „ich händige hier gar nichts aus“ zu verstehen gegeben haben. Daraufhin wollten die Beamten die Frau vorläufig festnehmen, allerdings stieg die prompt wieder in ihren Smart und versuchte wegzufahren. Um das zu verhindern soll einer der Polizisten von außen nach dem Schlüssel im Zündschloss gegriffen haben. Mit der Ansage „ich lasse mich von niemandem aufhalten“ soll die Fahrerin den Arm des Polizisten gepackt und versucht haben, ihm den Schlüssel wieder abzunehmen. Bei dem Handgemenge erlitt der Beamten leichte Kratzer am Unterarm.

„Da zu dem Zeitpunkt schon sehr viele Bürger auf den Vorfall aufmerksam geworden waren und wir die Personalien der Frau über das Autokennzeichen feststellen konnten, hatten wir uns entschieden, die Frau fahrenzulassen“, erklärte einer der Polizisten bei seiner Zeugenaussage: „Wenn hier einer Angst hatte, dann ich“, antwortete er auf die Frage der Richterin, ob die Angeklagte ihm verängstigt vorkam.

Die 66-Jährige war nicht wirklich einverstanden mit den Ausführungen des Polizisten, schüttelte immer wieder den Kopf während der Zeugenaussage. Ihrer Ansicht nach sei sie das Opfer unfreundlicher Gesetzeshüter.

Diese hätten sie „unfreundlich gemaßregelt“. Ein Handgemenge, bei dem einer der Polizisten leicht verletzt wurde, habe es nicht gegeben: „Ich bin eine Frau und körperlich dazu gar nicht in der Lage.“ Sie habe schlicht Angst vor dem Beamten gehabt, der ihr den Autoschlüssel abnehmen wollte: „Ja wusste ich denn, ob der mich erschießt oder so?“ Ihre Papiere habe sie den Polizisten nicht anvertrauen wollen: „Ich weiß ja nicht, was die damit machen.“

Richterin Lieberei hatte wenig Verständnis für die Aussagen der Angeklagten: „Polizisten vespern keine Papiere“, sagte sie und wunderte sich über die mangelnde Einsicht der Frau: „Sie haben noch immer nicht kapiert, was für einen Mist sie eigentlich gebaut haben.“ Eine Einstellung des Verfahrens sei nur möglich, wenn eine gewisse Einsicht vorhanden wäre, so Lieberei.

Doch selbst die Aussicht darauf brachte die Angeklagte nicht dazu, ihre Einstellung zu überdenken: „Das nächste Mal lasse ich mich einfach erschießen“, sagte sie. Erst nach einem kurzen Gespräch mit ihrem Verteidiger konnte sich die Frau eine Entschuldigung abringen.

Zahlen muss sie trotzdem: 1200 Euro Strafe muss die Hundebesitzerin an ein Tierheim ihrer Wahl zahlen. Anschließend soll das Verfahren komplett eingestellt werden.

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