Nürtingen

Pädagogik auf dem Hof und in der Natur

18.01.2019 00:00, Von Uwe Gottwald — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Bei Landwirt David Traub auf der Oberensinger Höhe startet ab März eine in den Bedarfsplan der Stadt integrierte Kindergartengruppe

Pädagogik nahe an der Natur, das gibt es in Nürtingen seit Jahren im Waldkindergarten des Trägervereins Freies Kinderhaus. Auch in vielen Betreuungseinrichtungen der Stadt gehören Waldtage zum festen Bestandteil. Ein Kindergarten auf dem Bauernhof ist dagegen eine Seltenheit, der Hopfenhof von Landwirt David Traub auf der Oberensinger Höhe ist auf dem Weg dazu.

Ein Kindergarten nahe an der Natur: Auf dem Hopfenhof treffen sich bereits Kinder und Eltern, die ab März dieses Angebot nutzen. Foto: Holzwarth
Ein Kindergarten nahe an der Natur: Auf dem Hopfenhof treffen sich bereits Kinder und Eltern, die ab März dieses Angebot nutzen. Foto: Holzwarth

NÜRTINGEN. Im letzten Kindergartenjahr gab es bundesweit erst 32 Bauernhofkindergärten, fünf davon in Baden-Württemberg. So ist das Projekt auf dem Hof des Ökolandwirts für Nürtingen schon ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. Die Stadtverwaltung und der Gemeinderat unterstützen deshalb das Vorhaben nach Kräften. „Wir freuen uns über die Initiative“, bestätigt Sven Singler, der Leiter des Nürtinger Amtes für Bildung, Soziales und Familie (BiSoFa).

Und das nicht nur, weil es ein weiterer Baustein ist, dem in den letzten Jahren stetig gestiegenen Bedarf an Betreuungsplätzen nachzukommen. „Es erweitert nochmals die Vielfalt an Angeboten, die es in der Stadt gibt“, so Karin Senf, im BiSoFa-Amt verantwortlich für die Betreuungseinrichtungen. Sie begleitet die Elterninitiative, die sich als Verein Naturkindergarten Hopfenhof gegründet hat, auf dem Weg zum anerkannten Träger einer Kindertagesstätte. Die Auflagen dazu werden vom Kommunalverband für Jugend und Soziales überprüft. „Die Anträge sind gestellt“, so Senf.

Eine formale Voraussetzung war die Aufnahme des Angebots in den Bedarfsplan zur Kindertagesbetreuung der Stadt. Dafür gab der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung einstimmig grünes Licht. Die Einrichtung wird Plätze für über dreijährige Kinder anbieten. Dazu werden mit der Eröffnung der Kinderhäuser am Martin-Luther-Hof und in der Braike zum Ende des Jahres weitere Plätze für über Dreijährige zur Verfügung stehen, womit der Bedarf in diesem Bereich für die kommenden Jahre gedeckt sei, so Senf. Deshalb habe man Pläne, einen eigenen Waldkindergarten am Roßdorf zu eröffnen, zurückgestellt.

Am Hopfenhof wird zunächst das Modell mit verlängerten Öffnungszeiten von 7.30 bis 13.30 Uhr angeboten. Wie alle anderen freien Träger in Nürtingen wird auch der neue Träger von den Kosten her mit den städtischen Kindergärten gleichgestellt, was eine entsprechende Bezuschussung bedeutet. Damit verbunden ist dann die Garantie, dass die von den Eltern zu zahlenden Gebühren nicht diejenigen eines vergleichbaren städtischen Angebots übersteigen.

Die Familie Traub selbst hat vier Kinder, darunter allerdings nur eines, das noch ein Jahr den Kindergarten besuchen wird. David Traubs Anliegen ist es, der Bevölkerung Einblicke in eine umweltverträgliche Erzeugung von gesunden Lebensmitteln zu ermöglichen. Und damit kann man nicht früh genug, also bereits im Kindesalter beginnen. „Wer eine natürliche Kreislaufwirtschaft kennengelernt hat, schätzt die Natur und nachhaltig erzeugte Lebensmittel umso mehr“, so Traubs Überzeugung. Deshalb hat er selbst auch ein mehrtägiges Angebot des Biolandverbands genutzt, um sich in der Bauernhofpädagogik fortzubilden. „Die Natur, den Landwirt und die Bevölkerung wieder etwas näher zueinander zu bringen, ist der Anspruch, der dahintersteckt“, so Traub.

Immer wieder einmal können die Kinder in das Hofgeschehen eingebunden werden, mit Tieren zusammenkommen und Erfahrungen aus eigener Anschauung und auch aus eigenem Tun heraus sammeln. Darüber hinaus soll die Nähe zur Natur genutzt werden, dort finden sich ganz von selbst Gelegenheiten, die Sinne, motorische Fähigkeiten und soziales Verhalten zu üben. Eine der beiden Erzieherinnen hat bereits in einem Naturkindergarten gearbeitet.

Kindergartenarbeit nach verbindlichem Orientierungsplan

„Die gesetzlich verbindlichen Orientierungspläne für die Kindergartenarbeit müssen dabei selbstverständlich eingehalten werden“, bestätigt Tanja Salzer, Sprecherin der Elterninitiative. Doch das gehe auch überwiegend in der Natur. Darüber hinaus habe man bald einen Bauwagen zur Verfügung, der Platz für 20 Kinder biete. Der werde im Moment von einem Zimmerer maßgeschneidert nach den Bedürfnissen der Initiative ausgebaut. Er ist Rückzugsraum bei allzu schlechtem Wetter, dort kann aber auch wie in jedem Kindergarten zum Beispiel gebastelt und vorgelesen werden.

Schon jetzt gibt es alle zwei Wochen Treffen auf dem Hof, bei denen sich die Kinder kennenlernen können. „Die Elterninitiative ist eine gute Gemeinschaft, in der kurzen Zeit von Juli vergangenen Jahres bis heute wurde viel auf die Beine gestellt“, sagt Salzer nicht ohne ein wenig Stolz. Bis zum März hofft man auf die Betriebserlaubnis, um dann mit dem täglichen Angebot starten zu können.

Es liegen 19 Anmeldungen vor und auch bis zum Jahr 2021 gebe es bereits Interessenten, so Salzer. Mirka Gneiting, eine der Mütter, ist froh über das Angebot: „Ich bin als Kind selbst mit Landwirtschaft aufgewachsen, solche Einblicke zu bekommen ist heute selten geworden.“ Dafür freut sie sich für ihre beiden Kinder.

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