Nürtingen

Die Notare werden jetzt Freiberufler

13.12.2017, Von Philip Sandrock — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Mit dem Jahr endet auch die Zeit des württembergischen Amtsnotariats – Künftig arbeiten in Nürtingen drei freiberufliche Notare

Zum Jahreswechsel werden in ganz Württemberg die Bezirksnotariate aufgelöst. Dies ist der letzte Schritt der Notariatsreform, die vor zehn Jahren begann. Künftig wird es statt beamteten nur noch freiberuflich tätige Notare geben. Die drei in Nürtingen verbliebenen schließen sich zu einer Sozietät zusammen – und ziehen vom Salemer Pfleghof in den Möriketurm.

Die Nürtinger Notare ziehen in den Möriketurm: Stefan Heilig, Michael Gollnisch und Jörg Dettinger (von links). Foto: Sandrock

NÜRTINGEN. Seit einigen Jahren ist Bewegung im württembergischen Notarwesen. Bereits im vergangenen Jahr wurden die Grundbuchämter vor Ort geschlossen. Nun folgen, nach zehn Jahren Vorbereitung, die eigentlichen Bezirksnotariate. Bereits 2008 und 2009 hatte der Landtag die Reformen beschlossen. Damit endet nach fast zwei Jahrhunderten die Zeit der Bezirksnotare in Württemberg und es gibt erstmals seit Gründung des Bundeslandes ein einheitliches Notarsystem in Baden-Württemberg.

Info

Notariatsreform

Am 1. Januar 2018 findet die Notariats- und Grundbuchamtsreform ihren Abschluss. Im Amtsgerichtsbezirk Nürtingen werden die bisherigen staatlichen Bezirksnotariate aufgelöst, nämlich das Notariat Filderstadt, das Notariat Köngen, das Notariat Neckartailfingen, das Notariat Neuffen, das Notariat Nürtingen, das Notariat Leinfelden-Echterdingen und das Notariat Wendlingen.
Für Betreuungs- und Nachlassachen ist künftig das Amtsgericht Nürtingen zuständig.
Seit 20. März ist das Amtsgericht Böblingen das für Nürtingen zuständige Grundbuchamt.
Für Beurkundungen und Beglaubigungen gibt es im Amtsgerichtsbezirk Nürtingen künftig drei Anlaufstellen mit freiberuflich tätigen Notaren:
In Nürtingen die Notarssozietät Jörg Dettinger, Michael Gollnisch und Stefan Heilig,
in Filderstadt die Notarin Alexandra Müller, in Leinfelden-Echterdingen die Notarssozietät Jürgen Kuhn und Michael Wilhelm.
Die bei den aufgelösten Notariaten errichteten notariellen Urkunden werden künftig beim Amtsgericht Nürtingen verwahrt.

Auch in unserer Region ändert sich einiges: Die Notariate in Wendlingen, Köngen, Neuffen und Neckartailfingen werden, wie bereits die Grundbuchämter, geschlossen. Und auch in Nürtingen schließt das Notariat am bekannten Standort im Salemer Pfleghof in der Alleenstraße. Der Standort bleibt jedoch erhalten – dort wird eine Außenstelle des Nürtinger Amtsgerichts einziehen.

Die Notariatsreform teilt die Aufgaben der bisherigen Bezirksnotare nämlich auf: Für alle Fälle, die Nachlass oder Betreuung betreffen, sind künftig die Amtsgerichte zuständig – und zwar für den gesamten Amtsgerichtsbezirk.

Notare ziehen in den Möriketurm

Drei der bislang fünf Nürtinger Notare wechseln aus dem Beamtenverhältnis in die Selbstständigkeit und werden als Notars-Sozietät weiterhin für Beurkundungen und Beglaubigungen zuständig sein.

„Es ist schon ein großer Schritt in die Selbstständigkeit“, sagt Stefan Heilig. Aber es sei für ihn keine Option gewesen, irgendeinen anderen Job innerhalb der baden-württembergischen Justiz zu übernehmen. Dazu mache ihm die Tätigkeit als Notar zu viel Spaß. So ähnlich sehen es auch seine neuen alten Kollegen. Während etliche Notare nun im Staatsdienst bleiben und dort zum Beispiel Aufgaben am Amtsgericht bekommen, haben sich andere für die Selbstständigkeit entschieden. „Unser Beruf ist allerdings streng reglementiert“, sagt Dettinger. Denn auch freiberufliche Notare übten immer noch ein öffentliches Amt aus.

Weil das Amtsgericht künftig die bisherigen Notariatsräume im Salemer Pfleghof nutzen wird, mussten sich die drei Selbstständigen neue Büros suchen und wurden im Möriketurm in der Nürtinger Bahnhofstraße fündig. Auf zwei Etagen mieteten sie sich dort ein – neben den drei Chefs in spe arbeiten in der Notarssozietät 19 Mitarbeiter. „Wir sind, soweit ich weiß, die einzige Sozietät mit drei Notaren“, sagt Dettinger, das sei schon eine Besonderheit. Dafür entfallen aber sämtliche Notariate im Nürtinger Umland. Im Amtsgerichtsbezirk Nürtingen wird es ab dem kommenden Jahr nur noch drei Notarssitze geben. Neben Nürtingen sind das Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen.

„Wir haben auch einen Arbeitsplatz für einen Assessor“, sagt Heilig. Denn seit fünf Jahren seien keine Notare mehr ausgebildet worden – damals hatte das Land im Zuge der Reform die Notarakademie geschlossen. Künftig können sich Volljuristen zum Notar fortbilden lassen. Allerdings können nur bereits bestehende Notarposten neu besetzt werden – die hat das Land allerdings begrenzt.

Wenn zum 1. Januar 2018 alle bisherigen rund 300 staatlichen Notariate aufgelöst sind, werden künftig an 138 Standorten im Land freie Notare ihre Tätigkeit aufnehmen. Laut Justizministerium ist damit aber keine dauerhafte Festschreibung der Notarstellen in Baden-Württemberg verbunden. Man wolle regelmäßig prüfen, inwieweit Anpassungen erforderlich sind und weitere Notarstellen ausgeschrieben werden können.

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