Paulas Nachrichten

Paula Print: Kinderreporter interviewten Kanzlerkandidat Olaf Scholz in Nürtingen

21.09.2021 05:30, Von Andreas Warausch — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Die Kinderreporter Kim Gerlach und David Balz (beide 11) stellten gestern dem Kanzlerkandidaten Olaf Scholz in Nürtingen Fragen. Paula Print begleitete sie zu ihrem großen Auftritt am Weltkindertag auf die große Bühne auf dem Schillerplatz.

Gespräch mit Zeitungsente: Olaf Scholz freute sich sichtlich über das Geschenk der beiden Kinderreporter Kim Gerlach und David Balz, Fotos: Holzwarth
Gespräch mit Zeitungsente: Olaf Scholz freute sich sichtlich über das Geschenk der beiden Kinderreporter Kim Gerlach und David Balz, Fotos: Holzwarth

NÜRTINGEN. Es sollte nicht nur der große Auftritt des SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz in Nürtingen werden. Auch Kim Gerlach aus Nürtingen und David Balz aus Altdorf planten ihren großen Auftritt. Paula Print hatte die Kinder gefragt, wer denn als Kinderreporter mit ihr zusammen auf den Schillerplatz watscheln, äh, gehen wolle, um Vizekanzler Scholz Fragen zu stellen. Kim und David hatten von Paula und ihrem Team letztlich den Zuschlag bekommen.

Dann aber überschlugen sich am Montagvormittag die Ereignisse. Denn Scholz ist in der großen Koalition von SPD und CDU nicht nur der Stellvertreter von Chefin Angela Merkel. Er kümmert sich als Finanzminister auch um das Geld der Bundesrepublik. Und als solcher musste er im Finanzausschuss gestern Morgen in Berlin Fragen von Bundestagsabgeordneten beantworten.

Würde es ihm dann reichen von Berlin zu Kim, David und Paula in Nürtingen zu fliegen und zu fahren? Kim und David bekamen vom ganzen Hickhack am Vormittag nichts mit – sie waren ja noch in der Schule. Kim in der 6a der Nürtinger Mörikeschule, David in der 6b der Neckartenzlinger Realschule. Erst für den Nachmittagsunterricht waren sie von den Schul-Chefs freigestellt worden. Dort hatten sie noch ganz andere Probleme. Denn so mancher Klassenkamerad wollte ihnen nicht gleich glauben, dass sie am Nachmittag mit einem Typen auf der Bühne stehen sollten, den man sonst nur im Fernsehen sieht – und der vielleicht bald der Chef von Deutschland ist.

Tja, und es klappte dann doch: Scholz kommt, hieß es. Aber es wurde später als geplant. Gut, dass die Kinderreporter mit Paula und ihrem Freund und Reporterkollegen Andreas Warausch schon vor Ort waren. Sie nutzten eben die Zeit, um Andreas Stoch auf den Zahn zu fühlen. Der ist nämlich nicht nur der baden-württembergische SPD-Chef. Er war mal hier auch Kultusminister – und damit für die Schulen zuständig. Außerdem ist er vierfacher Vater. Corona war das große Thema. Der Politiker interessierte sich sehr dafür, wie es den Kindern in den letzten Monaten ergangen ist.

Aufwärmen mit Corona-Talk: Die Kinderreporter mit Paula, Bundestagsmitglied Schmid (links) und dem SPD-Landes- und Fraktionschef Andreas Stoch.
Aufwärmen mit Corona-Talk: Die Kinderreporter mit Paula, Bundestagsmitglied Schmid (links) und dem SPD-Landes- und Fraktionschef Andreas Stoch.

Und dann kam wirklich Olaf Scholz mit vielen schwarzen Autos, mit vielen Mitarbeitern, Polizei und Beschützern. Der wunderte sich nur kurz über die große Paula, mit der er sich an diesem Weltkindertag die Bühne teilen sollte. In ihrer Gegenwart hielt er eine Rede, die bei den Erwachsenen gut ankam. Aber – und das ist nicht übertrieben – der Höhepunkt war die Fragerunde mit Kim und David. Nur anfangs waren sie ein bisschen nervös, gaben die beiden später zu. „Aber beim Sprechen ging das gleich weg“, meinte Kim. Der Olaf Scholz kam aber bei ihnen auch sehr sympathisch rüber, erklärte David nach dem Gespräch. „Viel netter als im Fernsehen“ wirke er, wenn man ihm so richtig live gegenüber steht, sagte Kim.

Das Interview führten die beiden so selbstsicher, als wären sie seit vielen Jahren Profis. Profis allerdings, die ihre Natürlichkeit nicht verloren haben.

„Wenn Sie Kanzler werden, was ist dann Ihre erste Tat?“, wollte Kim gleich wissen. Wahrscheinlich müsse er zuerst eine Kabinettssitzung einberufen, meinte Scholz. Das Wichtigste sei aber: Er werde den Mindestlohn für die Menschen, die viel arbeiten und wenig verdienen, gleich auf zwölf Euro erhöhen. Gerade müssen die Arbeitgeber den Menschen nämlich nur mindestens 9,60 Euro pro Stunde zahlen.

Unheimlich erfrischend wirkte Kims zweite Frage – und die Menschen auf dem Schillerplatz mussten herzhaft lachen. „Muss ich arbeiten bis ich70 bin?“, fragte die Elfjährige ganz keck. Scholz war um eine klare Antwort nicht verlegen, und die lautete „Nein“. Man arbeite ja sowieso schon eine lange Zeit bis zur Rente. Da könne es keinen Anstieg mehr geben, meinte Scholz.

Dann war David an der Reihe. Seine erste Frage: „Würden Sie mir davon abraten, in die Politik zu gehen?“ Auch die kam super an beim Publikum – und bei Scholz. Der sagte zwar gleich: „Nee.“ Aber dann überlegte er, ob man einfach so in die Politik gehen sollte. Er sei mit 17 in die SPD eingetreten. Dann hat er Jura studiert und ist Rechtsanwalt geworden. Als solcher hat er Arbeitnehmer vertreten. Und mit 40 sei er dann erst Berufspolitiker geworden. Scholz: „Das ist der richtige Weg.“

Davids letzte Frage brachte eine ernste Seite des Politikerlebens zur Sprache. Ob er denn traurig sei, wenn über ihn schlecht gesprochen oder geschrieben werde, wollte er von Olaf Scholz wissen. Der gab auch da eine klare Antwort: „Das ist mal so, mal so.“ Kritik gehöre für einen Politiker zum Geschäft. Die komme dann aber eben nicht wie normal von einem guten Freund, sondern auch mal von jemandem in der „Tagesschau“.

Am Ende des Interviews holte David dann die kleine Zeitungsente Paula Print aus der Tasche, um sie Olaf Scholz zur Erinnerung an die neugierigen Kinder der Nürtinger/Wendlinger Zeitung zu schenken. Der freute sich sichtlich über seine neue Gefährtin, die dann gleich mit ihm in die schicke Limousine steigen durfte, um nach Esslingen zum nächsten Wahlkampftermin zu düsen. „Die bekommt einen Ehrenplatz“, versprach er.

Kim und David indes machte der Reportereinsatz viel Spaß – und sie hatten gleich weitere Ideen. Wie wäre zum Beispiel ein Besuch von Scholz in der Mörikeschule nebenan? „Hier lernen nämlich Kinder aus 30 Nationen glücklich zusammen“, sagt Kim stolz – und das könnte doch auch für einen Bundeskanzler interessant sein.

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