Senioren-Redaktion

Lebensgeschichte eines Hauses

01.06.2019 00:00, Von Horst Matrohs — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ich bin ein Neubau. Vorher stand an dieser Stelle ein Haus im Jugendstil. Ebenerdig waren Läden mit Schreibwaren, Bekleidung, einer Buchhandlung und einem Feinkostgeschäft. Darüber die Beletage und Wohnungen mit Erkern und Balkonen. In den Mansarden unter dem Dach wohnten früher Studenten. Auf der Nordseite hatte ein bekannter Maler sein Atelier eingerichtet. Nach dem Tode der Eigentümer und nach Abschluss der Erbauseinandersetzungen hat die Stadt das Anwesen gekauft. Bürgermeister und Gemeinderat beschlossen, mit einigen Stimmen der Opposition, den Abriss des Hauses: Das „alte Gelumpe“ passe nicht in die Planung einer modernen Stadtmitte. Eine spontan gebildete Bürgerinitiative, unterstützt von den Inhabern der Läden, konnte den Abriss nicht verhindern; die Abrissbagger waren schneller. Souvenirjäger bereicherten sich an den Stuckelementen, Parketthölzern und den Resten von bleiverglasten Fenstern, bevor der Schutt abgefahren und die Baugrube eingeebnet wurde.


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