Senioren-Redaktion

Bäume an den Wegen des Lebens

01.12.2018, Von Horst Matrohs — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

„Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum; ich träumt’ in seinem Schatten gar manchen süßen Traum“, ein Idyll, das heutzutage im Volkslied besungen, aber kaum mehr wahrgenommen wird. In der Stadt, in der ich meine Kindheit und frühe Jugend erlebt habe, gab es keinen Brunnen vor dem Tore. Aber in der Straße, in der wir wohnten, standen Bäume, wie auch in manch anderen Straßen der Stadt.

In unserer Straße waren es Lindenbäume. Wenn die Linden blühten kamen die Anwohner und pflückte die Blüten körbeweise. Wir Kinder halfen mit. Der Vorrat für den Lindenblütentee war bis zur nächsten Lindenblüte gesichert. Bäume mit Früchten waren uns lieber. Die Kirschallee am Stadtrand zwischen zwei benachbarten Ortsteilen war verpachtet; da durften wir nicht ran. Das Fallobst von den Apfel- oder Birnbäumen an den Wegrändern war eine willkommene Beute, mit dem Taschenmesser zerteilt und mit der Schale aufgesessen. Übrig blieben nur das zähe Kerngehäuse und die Maden. Ob wir dabei das Lied: „Bei einem Wirte wundermild, da war ich jüngst zu Gaste; ein goldner Apfel war sein Schild an einem langen Aste“ gesungen haben, weiß ich nicht mehr. Ein Baum war zu allem gut. In den Hinterhöfen mancher Wohnhäuser gab es auch Bäume, die keine essbaren Früchte trugen; als Kletterbäume waren diese aber gut zu gebrauchen.


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