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Zur Jeans sagte man früher Texashose

28.05.2011 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Wer schon einmal ein uraltes Märchen gelesen hat, der kennt ihn vielleicht: den Isegrim. Es gibt den Isegrim immer noch, aber heute sagen wir Wolf zu ihm. Die alte Bezeichnung Isegrim ist so gut wie verschwunden. So ist es auch mit vielen anderen Wörtern, die die Leute früher benutzt haben, die uns aber heute kaum noch etwas sagen. Doch wieso verschwinden manche Wörter überhaupt? Diese Frage beschäftigt Bodo Mrozek. Er hat Wörter aufgeschrieben, die wir fast nicht oder gar nicht mehr benutzen, und in zwei Büchern veröffentlicht. Warum sich Wörter trotzdem nur schwer vor dem Aussterben retten lassen, hat er „dpa-Nachrichten für Kinder“ erzählt.

Warum sterben manche Wörter aus?

„Dafür gibt es verschiedene Gründe: Manche Wörter klingen altmodisch und kommen mit der Zeit aus der Mode. Viele von ihnen werden dann von neuen Wörtern ersetzt. Manchmal sterben auch die Dinge aus und mit ihnen die Bezeichnungen. Das ist oft bei kleinen Dingen so. Ein Beispiel dafür ist die Wählscheibe. Früher hatte jedes Telefon eine, heute gibt es fast nur noch Telefone mit Tasten. Deswegen kennen viele junge Menschen das Wort Wählscheibe nicht mehr.“

Wie haben Sie die ausgestorbenen Wörter gefunden?

„Ich habe in alten Büchern danach gesucht und mit älteren Menschen gesprochen. In der Jugend meiner Eltern hat man zum Beispiel zur Jeans noch Nietenhose oder Texashose gesagt. Bei meiner Suche haben mich außerdem viele Freunde und Bekannte auf die Spur von Wortgeschichten gebracht. Was auch hilft: Wenn man ein neues Wort hört, kurz überlegen: Wie hat man früher dazu gesagt? Zum Beispiel der Begriff Chill-out (gesprochen: tschill-aut). So kommt man dann vielleicht auf ein Wort wie Müßiggang.“

Können wir denn die Menschen in 100 Jahren noch verstehen – angenommen wir würden so alt?

„Als Geschichtsforscher kann man zwar nicht die Zukunft vorhersagen. Aber ich vermute, dass wir da ein paar Verständigungsschwierigkeiten hätten. Weil in der Zukunft bestimmt Wörter verwendet werden, die wir noch nicht kennen. Und einige unserer Begriffe werden bis dahin verschwunden sein. Wenn wir alte Romane lesen, verstehen wir ja auch schon manche Wörter nicht mehr.“

Welches Wort würden Sie gerne retten?

„Da gibt es kein bestimmtes. Ich habe in meinem ,Lexikon der bedrohten Wörter‘ etwa 600 Wörter erklärt, und davon sind mir viele ein bisschen ans Herz gewachsen. Ich glaube auch nicht, dass man ein Wort einfach so wieder einführen kann. Das funktioniert nur ganz selten, wenn es zum Beispiel in einem lustigen Werbespot gebraucht wird, den viele Leute sehen, oder in einer berühmten Rede. Es ist aber auch nicht so schlimm: Wenn eine Sprache sich nicht verändern würde, wäre sie eine tote Sprache.“

„In der Jugend meiner Eltern hat man zum Beispiel zur Jeans noch Nietenhose oder Texashose gesagt“, erzählt ein Sprach-Experte. Foto: Felix Hörhager

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