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Zu Besuch im Berliner Knochenkeller

15.04.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Das Abenteuer beginnt hinter einer roten Stahltür des Berliner Naturkundemuseums. Die Schritte hallen in dem langen Flur wider. Es geht vorbei an alten Ziegelmauern bis zur nächsten Tür. Besucher dürfen sie nur ganz selten öffnen. Denn dahinter liegt eine Schatzkammer für Dinosaurier-Forscher: der Knochenkeller.

Neben jeder Menge echter Dino-Beine, Dino-Wirbel und Dino-Füße gibt es hier auch Geheimnisvolles: 1909 reisten deutsche Forscher nach Afrika und suchten nach Dino-Knochen. Ihre Funde liegen in großen Holzkisten in dem Raum. Seit etwa 100 Jahren hat sie niemand geöffnet! Kein Forscher weiß genau, welche tollen Dinge sich darin vielleicht noch verbergen.

Für Daniela Schwarz-Wings ist es ganz normal, in den Museums-Knochenkeller hinabzusteigen. Angst hat die Wissenschaftlerin nicht. Sie forscht darüber, wie der riesige Brachiosaurus mit seinem langen Hals klarkam.

Dazu schaut sie sich die uralten Knochen an, die die Forscher zwischen 1909 und 1913 im heutigen Staat Tansania in Afrika ausgruben. Sie fanden dort alle möglichen Arten von Sauriern – vom großen Pflanzenfresser bis zum gefährlichen Allosaurus. Alle Knochen schickten sie an das Museum. Im Keller liegt zum Beispiel ein Dino-Wadenbein, das fast so groß ist wie Daniela Schwarz-Wings. Und der große Zeh eines Brachiosaurus ist so lang wie ihre Hand.

Es gibt einen Grund, warum die Wissenschaftler die Dino-Kisten so lange nicht ausgepackt haben: Sie hatten nie genug Zeit, die vielen neuen Knochen sorgfältig mit speziellen Mitteln zu behandeln. Sie sollen die uralten Knochen davor schützen zu zerbröseln. Deshalb war es besser, die Dino-Überreste erst mal gut verpackt liegenzulassen.

Neben den Holzkisten gibt es im Knochenkeller auch runde Bambuskörbe. Darin liegen rötliche Lehmbrocken, groß wie Kokosnüsse. Der Lehm ist nur eine Schutzhülle: Im Inneren der Brocken sind kleine Dino-Knochen, die vor 100 Jahren auf der langen Reise nach Berlin nicht kaputtgehen sollten. Eine krakelige Aufschrift am Korb verrät, wo genau die Knochen gefunden wurden. „Wahrscheinlich stammen sie von kleinen pflanzenfressenden Sauriern“, sagt Daniela Schwarz-Wings. Ausgepackt werden auch diese Knochen erst mal nicht.

Am 16. April wollen die Berliner Museumswissenschaftler allerdings ein kleines Geheimnis im Knochenkeller lüften: Sie wollen eine der alten Transportboxen öffnen und auspacken. Was sie wohl darin finden werden?

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