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„Wir wollten was Geheimnisvolles“ – Kinder gestalten eine Ausstellung

01.07.2022 05:30, Von Karlotta Ehrenberg — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

„Takeover“ ist der Titel einer Kunstausstellung in Berlin. Das ist englisch und heißt „Übernahme“. Übernommen wurde hier ein Ausstellungshaus, und zwar von Kindern. Sie bestimmten, was dort zu sehen ist. Alma und Toni erzählen, wie es war.

Alma und Toni aus Berlin haben mit anderen Kindern eine Kunstausstellung gestaltet. Kuratieren nennt man das. Zur Vorbereitung hat die Schüler-AG das Ausstellungshaus in Berlin mehrmals besucht. Es heißt Gropius-Bau und ist sehr bekannt.

In alle Ecken des Gropius-Baus durften die Kinder schauen. Das, was man nicht sofort auf Anhieb sieht oder vielleicht sogar verborgen ist, war für die Kinder am spannendsten. Und das brachte sie auf das Thema der Ausstellung. „Wir wollten was Geheimnisvolles“, erzählt der elf Jahre alte Toni.

Im nächsten Schritt haben sich die Kinder auf ein Medium geeinigt – Kunst kann ja ganz verschiedene Formen haben. Sie entschieden sich für Fotografie. „Wir hatten unterschiedliche Künstlerinnen und Künstler zur Auswahl“, sagt Alma. Sie ist zehn Jahre alt. Bei einer Abstimmung stimmten sie für Susanne Kriemann.

„Diese Künstlerin hat sich mit Mangroven beschäftigt“, erklärt Toni. «Das sind Bäume, die in Indonesien im Wasser wachsen. Die kannten wir nicht. Und was man nicht kennt, ist geheimnisvoll.»

Bei einem Besuch im Studio der Künstlerin berieten die Kinder, welche Fotos sie ausstellen wollten. „Eigentlich sollten wir uns für sechs Bilder entscheiden“, erzählt Alma. „Aber das war zu schwierig, deswegen sind es jetzt acht.“

Die Fotos zeigen Mangroven und das, was sie umgibt. Das sind nicht nur Pflanzen und Tiere, die im Mangrovenwald heimisch sind.

Da ist auch jede Menge Müll, der sich in den Ästen verfängt: kaputte Fischernetze, Verpackungen, Plastikflaschen und Corona-Masken. Ein besonderes Geheimnis bergen die feinen, kaum sichtbaren Abdrucke auf den Bildern. Sie stammen von Fischernetzen aus den Mangrovenwäldern. Susanne Kriemann hat sie in Farbe getaucht und die Fotos damit bedruckt.

Alma erklärt: „Dann mussten wir entscheiden, wo die Bilder hinsollen“. Die Kinder wollten sie nicht hängen, sondern auf Holzkonstruktionen stellen. Wie genau, das haben sie mit dem Ausstellungsarchitekten des Hauses besprochen. Vor den Bildern gibt es Treppchen. „Damit sie auch kleinere Kinder gut ansehen können“, erklärt Toni.

Neben den Fotos hängt noch eine Skulptur. „Die ist aus Müll aus den Mangrovenwäldern gemacht“, erklärt Toni. „Den haben wir von einem Freund von Susanne zugeschickt bekommen.“ Die Kinder durften die Pakete öffnen. Alma: „Das roch ganz stark nach Meer. Man hat sich gefühlt, als ob man in Indonesien ist.“ Gemeinsam mit der Künstlerin haben die Kinder die alten Fischernetze zu einem langen Seil geflochten und anderen Müll darin befestigt. Richtig schön sieht das aus.

Die Ausstellung ist aber nicht nur schön anzusehen, sondern macht auch nachdenklich. Und genau das haben die Kinder gewollt. Denn es ist wichtig zu sehen, was mit dem Müll passieren kann, den Menschen hinterlassen, erklärt Alma.

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