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Wilde Wölfe in der Fotofalle

27.02.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Geräte helfen dem Wolfsberater Helge John dabei, Bilder von den scheuen Tieren zu schießen

Helge John ist Wolfsberater im nordwestlichen Bundesland Niedersachsen. Er berät aber keine Wölfe, sondern Menschen. Denn die fürchten den „bösen Wolf“ und halten den Verwandten des Hundes für gefährlich. „Wölfe sind für Menschen in Deutschland nicht gefährlich“, sagt Helge John.

Als Wolfsberater wird er von Leuten angerufen, die glauben, einen Wolf gesehen zu haben. Dann fährt Helge John dorthin und schaut sich die Spuren an. Manchmal rufen auch Schafsbesitzer an. Denn es kommt vor, dass Wölfe Schafe töten. Der Wolfsberater fährt hin und nimmt das tote Schaf unter die Lupe. Er kann erkennen, ob ein Wolf der Übeltäter war. Wenn ja, bekommen die Besitzer manchmal eine Entschädigung.

Helge John ist fasziniert von Wölfen. Deshalb nimmt er manchmal einen seltsamen Apparat mit in den Wald. Darin sind ein Blitzlicht und ein Objektiv eingebaut. „Das ist eine Fotofalle, ein spezieller Fotoapparat“, erklärt Helge John.

Damit will er wilde Wölfe fotografieren. Von diesen Tieren gibt es nur ganz wenige in Deutschland. Meist leben sie in Wäldern weit weg von uns Menschen. Darum ist es richtig schwer, einen Wolf vor die Linse zu bekommen. Man muss sehr geschickt sein, um Fotos von Wölfen zu machen. Helge John hat das schon geschafft – dank seiner Fotofalle.

Die Falle ist aber nicht schlimm für das Tier. Sie macht nur Fotos. Helge John schnallt das Gerät an einem Baum fest. Vorher überlegt er, wo ein Wolf vorbeischleichen könnte. Weil er viel über die Tiere weiß, sucht er sich bestimmte Orte aus. Etwa geschützte Stellen, wo Wölfe ihre Jungen herumlaufen lassen. Oder Waldwege und Wegkreuzungen. „Wölfe laufen gern auf Wegen, weil das nicht so anstrengend ist wie im Gebüsch“, erklärt der Experte.

Nachdem die Kamera angebracht ist, kann Helge John getrost nach Hause fahren. Der Apparat knipst automatisch. Wenn er die Fotofalle nach ein paar Tagen abbaut, ist er gespannt: Was mag auf dem Chip zu sehen sein? Zu Hause wird das Geheimnis gelüftet. Doch oft hat die Kamera nur Bilder von Rehen, Hirschen und Wildschweinen geschossen. Einmal war John besonders enttäuscht: „Beim Abbauen der Kamera habe ich Wolfsspuren im Schnee gesehen. Auf den Bildern war ein Reh. Ich wusste: Der Wolf war da, aber er ist nicht durchs Bild gelaufen.“ Manchmal läuft es besser: „In den vergangenen zwei Jahren habe ich rund 3000 Bilder gemacht. Ungefähr 70-mal waren Wölfe auf den Fotos zu sehen.“ (dpa)

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