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Wie sinnvoll ist das Sitzenbleiben?

17.06.2021 05:30, Von Insa Sanders — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Über das Sitzenbleiben wird oft diskutiert – mit unterschiedlichen Ergebnissen

Ein Schuljahr zu wiederholen ist für die einen schlimm, für andere eine gute zweite Chance. Die dpa Nachrichten für Kinder haben bei einem Bildungsforscher nachgefragt.

Vor den Sommerferien gibt es Zeugnisse. Danach geht es in eine neue Klasse. Manche Kinder wiederholen auch eine Stufe.  Foto: Insa Sanders
Vor den Sommerferien gibt es Zeugnisse. Danach geht es in eine neue Klasse. Manche Kinder wiederholen auch eine Stufe. Foto: Insa Sanders

(dpa) Bevor endlich die Sommerferien beginnen, wird die Anspannung zum Ende des Schuljahres noch einmal groß. Denn es gibt Zeugnisse! Für einige Schülerinnen und Schüler ist es schon bald so weit. In anderen Bundesländern dauert es noch ein paar Wochen.

Auf den Zeugnissen stehen am Ende des Schuljahres nicht nur die Noten für die einzelnen Schulfächer. Oft steht dort auch, ob man es eine Klasse weiter geschafft hat. „Versetzt nach Klasse 8“ steht dann zum Beispiel auf dem Papier. Wer jedoch zu schlechte Noten hat, muss das Schuljahr in vielen Bundesländern wiederholen. Manche Leute finden: Das Sitzenbleiben sollte ganz abgeschafft werden. Auch in der Corona-Zeit wird wieder viel über das Thema gesprochen.

Paul Fabian hält Sitzenbleiben für keine gute Maßnahme

Paul Fabian ist Bildungsforscher. Er beschäftigt sich schon seit zehn Jahren wissenschaftlich mit dem Thema Sitzenbleiben. Dabei hat er unter anderem herausgefunden: „Wenn es darum geht, Leistung wieder aufzuholen, ist das Sitzenbleiben keine gute Maßnahme.“ Herr Fabian hat sich dazu große Gruppen von Schulkindern angeschaut. „Es gibt natürlich auch einzelne Geschichten, bei denen jemand ohne das Wiederholen den Abschluss nicht geschafft hätte“, sagt er. In der Forschung ging es aber um Erkenntnisse über die große Gruppe. Wer sitzen bleibt, zeige meist nicht in allen Fächern mangelhafte Leistungen. „Schülerinnen und Schüler müssen dann aber alles noch mal machen, auch das, was sie schon können“, sagt der Bildungsforscher. Es würde mehr Sinn ergeben, wenn Schulkinder gezielt in den Fächern gefördert würden, in denen sie Probleme haben, findet er.

„Eine Klasse zu wiederholen kann für manche Schülerinnen und Schüler aber aus anderen Gründen eine gute Sache sein. Zum Beispiel, wenn sie sich in ihrer Klasse nicht wohlfühlen“, sagt Herr Fabian. Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell. Manchmal passt man besser in eine Klasse mit jüngeren Mitschülern. Ein Wechsel könne dann zum Beispiel helfen, dass man sich selbstbewusster fühlt.

Der Forscher hat sich außerdem Umfragen angeschaut, die zeigen, wie Lehrkräfte, Eltern und Schulkinder über das Thema Sitzenbleiben denken. „Schülerinnen und Schüler zeigen da schon eher eine Abneigung. Eltern sind unentschieden und Lehrkräfte eher dafür.“

Einige Lehrerinnen und Lehrer finden etwa: Die Möglichkeit des Sitzenbleibens könnte eine Art Warnschuss für manche Schüler sein. Vielleicht merken sie so, dass sie etwas tun müssen, und der Unterricht in der Klasse funktioniert besser. Für Schulkinder sei das Sitzenbleiben in jedem Fall ein Ereignis, das ihr Leben verändert, sagt der Experte. Das können gute oder schlechte Änderungen sein. Paul Fabian findet, dass genau dieser Bereich noch weiter erforscht werden sollte. In jedem Fall rät der Fachmann: „Wer eine Klasse wiederholen muss, sollte sich nie als Versager sehen.“ Sein Tipp: „Guck auch auf die Sachen, die du gut kannst und rede mit Eltern oder Freunden darüber. Es geht weiter.“

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