Paulas Nachrichten

Wie Rapssamen Autos antreiben

30.05.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jedes Jahr im Frühling leuchten sie quietschgelb: die Felder, auf denen Raps angebaut wird. Seine Samen sind voller Öl. Damit kann man Salatsoßen machen oder Würstchen braten. Oder aber Autos antreiben!

Das klingt vielleicht seltsam, aber es geht – wenn man das Öl vorher ein wenig verwandelt. „Man erhitzt das Rapsöl zusammen mit einem Stoff namens Methanol“, erklärt Elmar Baumann, der bei einem Biodiesel-Verband arbeitet. Das geschieht in großen Kesseln in Fabriken. „Dann bekommt man eine gelbliche Flüssigkeit, die Biodiesel genannt wird.“ Die wird gereinigt und zu Tankstellen gefahren. Den fertigen Biodiesel können Autofahrer dort in ihre Wagen füllen. Vorausgesetzt, diese haben einen Dieselmotor, der Biodiesel verträgt.

Doch woher nimmt die Pflanze die Energie, die das Auto dann fahren lässt? Beim Wachsen nutzt der Raps wie andere Pflanzen auch die Energie des Sonnenlichts: Mit dessen Hilfe baut die Pflanze aus Kohlendioxid aus der Luft und Wasser alle Stoffe, die sie braucht. Einige davon steckt sie als Vorrat in die Samen. Wenn diese später auf dem Boden keimen, recken sich neue Pflänzchen empor. Diese Sprösslinge zehren am Anfang von dem Vorrat – bis sie selbst Wurzeln haben.

In den Samen ist also Energie gespeichert – in Form von Öl. Und diese Energie kann man auch nutzen, um Autos anzutreiben. Aber das gilt auch für normalen Diesel. Warum wird also Biodiesel hergestellt?

Normaler Diesel wird aus Erdöl gemacht. Doch davon gibt es nicht unendlich viel. Irgendwann wird es knapp. Bis neues Erdöl entsteht, dauert es viele Millionen Jahre. Raps dagegen wächst schnell. Die meisten Bauern säen ihn im Spätsommer aus, im Frühling darauf beginnt er zu blühen. Und im Sommer tragen die Pflanzen dicke Schoten voller Samen – fertig zur Ernte. Im nächsten Jahr pflanzt man einfach wieder ein Feld voller Raps, und es geht von vorn los.

„Nachwachsende Rohstoffe“ nennt man das. Weil Pflanzen eben, im Gegensatz zu Erdöl, nachwachsen können. In Deutschland gibt es inzwischen an fast allen Tankstellen nur noch Diesel, der mit einem Teil Biodiesel vermischt ist. Allerdings gibt es um Biodiesel auch Streit. Er ist nämlich nicht in jedem Fall besser für die Umwelt als normaler Diesel. Und er wird aus Pflanzen hergestellt, die Menschen auch essen könnten. Das finden Gegner gar nicht gut.

(Elmar Baumann arbeitet für die Arbeitsgemeinschaft Qualitätsmanagement Biodiesel [AGQM])

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