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Wie Peter Pan fliegen lernt Die Geschichte des Opernsängers Iestyn Morris, der beim Singen in der Luft hängt

21.12.2013 00:00, Von Markus Brinkmann — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Opernsänger sind die neuen Superhelden, sagt Ran Braun. Er hat für die neue Familien-Oper im Stuttgarter Opernhaus dem Hauptdarsteller das Fliegen beigebracht – denn Peter Pan muss schließlich fliegen können. Doch diese Aufgabe war gar nicht so einfach.

Es klingt sehr abenteuerlich, was Iestyn Morris da erzählt. „Ich kann auf der Bühne einige Meter hoch in die Luft springen, ich kann die Länge des Sprungs beeinflussen und in der Luft sogar die Richtung ändern.“ Normalerweise muss Iestyn Morris sehr gut singen können, denn der Engländer ist von Beruf Opernsänger. Fliegen hat von ihm bislang noch niemand verlangt. Doch seit Donnerstagabend spielt der 35-Jährige im Stuttgarter Opernhaus den Peter Pan in der gleichnamigen Familien-Oper. Und weil Peter Pan fliegen kann, musste das auch Iestyn Morris lernen. Und das in ganz schön kurzer Zeit. „Wir hatten nur wenige Wochen Zeit dazu“, sagt Iestyn Morris. Gelernt hat der Opernsänger das Fliegen von Ran Arthur Braun. Der 38-Jährige ist von Beruf Flug- und Kampfchoreograf, das bedeutet, er trainiert mit den Sängern und Künstlern genau die Flug- und Kampfbewegungen, die sie bei der Aufführung später machen müssen. „Fliegen ist schon immer der Traum der Menschen gewesen“, sagt Ran Arthur Braun. Er hat sich ein besonderes System ausgedacht, damit Peter Pan auf der Opernbühne fliegen kann.

Dazu hat er zwei Dinge miteinander verbunden. Iestyn Morris muss während der ganzen Aufführung einen Gürtel tragen. Der ähnelt einem Gürtel, wie ihn Kletterer haben –- nur sehr viel leichter. Iestyn Morris sitzt fest darin. An dem Gürtel hat Braun Seile befestigt, die von der Decke hängen. „Das Besondere an dem System, das wir hier benutzen, ist ein Gummiseil“, sagt Ran Arthur Braun. Denn nur dadurch kann Iestyn Morris seine Flugbahn kontrollieren. „Es ist ungewöhnlich, dass ein Opernsänger singt und gleichzeitig körperlich anstrengende Bewegungen macht“, sagt Ran Arthur Braun. Ist es möglich, guten Operngesang mit überzeugendem Schauspiel und Akrobatik-Elementen zu verbinden? „Wir wussten das nicht und mussten es ausprobieren“, sagt auch Iestyn Morris. Aber es klappt! Doch zuerst musste der Opernsänger lernen, wie das Fliegen mit der Konstruktion von Braun überhaupt funktioniert. „Am Anfang bin ich nur ein bisschen hin und her gesprungen.“ Schritt für Schritt habe er sich mehr getraut und dann immer neue Figuren ausprobiert.

„Außerdem haben wir uns überlegt, auf welche verschiedenen Arten Peter Pan überhaupt fliegen kann“, sagt Ran Arthur Braun. „Ich habe gesagt, versuch mal auf dem Rücken zu fliegen.“ Viele Kollegen hätten ihn angeschaut und gefragt, warum Peter Pan das können müsse. „Ich habe zurückgeschaut und gesagt: warum nicht? Er kann es einfach.“ Schon als klar war, dass die Oper in Stuttgart aufgeführt wird, habe man ihn gefragt, ob er Peter Pan auch mitten in der Luft stoppen kann. „Ich habe gesagt: Gebt mir einen Monat.“ Er habe durch Versuche herausgefunden, dass es mehrere Möglichkeiten gibt. „Am Ende haben wir uns für die entschieden“, sagt er. „Es macht mir einfach Spaß, solche Dinge zu entwickeln.“ Zumal durch seine Ideen aus der Oper an manchen Stellen ein richtiger Actionfilm wird. „Die Opernsänger in ‚Peter Pan‘ sind meiner Ansicht nach die neuen Superhelden“, sagt Braun. „Sie können schön singen und mittlerweile eben sogar fliegen. Oper ist nicht langweilig, sondern hat eine Zukunft.“

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