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Wenn Wörter auf die Wanderschaft gehen Viele Begriffe sind aus dem Deutschen in andere Sprachen gelangt – und umgekehrt

25.06.2021 05:30, Von Insa Sanders — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Deutsch, Polnisch, Chinesisch, Englisch, Arabisch: Es gibt eine Menge Sprachen auf der Welt. Sprache verändert sich jedoch auch immer wieder. So wandern zum Beispiel Wörter von einer in eine andere Sprache.

Bist du schon mal umgezogen? Vielleicht einfach von einer kleinen Wohnung in ein größeres Haus, vielleicht auch in eine andere Stadt oder sogar in ein anderes Land? Wenn Menschen ein Land verlassen, sagt man: Sie wandern aus. Aber nicht nur Menschen gehen woanders hin, sondern mit ihnen auch die Wörter ihrer Sprache.

Menschen haben ihre Sprache immer dabei, auch auf Reisen. So können Wörter in andere Sprachen wandern.  Foto: Insa Sanders/dpa
Menschen haben ihre Sprache immer dabei, auch auf Reisen. So können Wörter in andere Sprachen wandern. Foto: Insa Sanders/dpa

So sind auch einige deutsche Wörter in andere Sprachen gelangt. Die Wörter „Doppelgänger“ oder „Kindergarten“ zum Beispiel sind in die englische Sprache gewandert. Und in vielen nordischen Sprache gibt es das Wort „Besserwisser“.

Annette Klosa-Kückelhaus (kleines Bild; Foto: A. Trabold, IDS) ist Sprachforscherin und kennt noch mehr solche Beispiele: „Der ,Bademeister‘ ist ins Polnische ausgewandert. Im Hebräischen gibt es das Wort ,Nachthemd‘ und auf Papua-Neuguinea wird eine Sprache namens Tok-Pisin gesprochen, in der gibt es das Wort ,Bienen‘.“

Deutsche Wörter sind also ganz schön weit in der Welt herumgekommen. Aber wie genau schafft es so ein Wort in eine andere Sprache? „Das hat mit Sprachkontakt zu tun“, sagt Annette Klosa-Kückelhaus. Das bedeutet also, dass Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen, Kontakt zueinander haben. „Das passiert zum Beispiel in Grenzregionen oder auch, wenn größere Bevölkerungsgruppen irgendwohin auswandern. Die nehmen ihre Sprache mit und treffen dann Menschen, die eine andere Sprache sprechen“, sagt die Forscherin.

Wenn die Sprachen sich vermischen, stellen die Leute manchmal fest: Wir verstehen, was ein „Besserwisser“ oder ein „Doppelgänger“ ist, aber wir haben in unserer Sprache kein Wort dafür. Wenn die Leute diese Lücke in einer Sprache bemerken, können sie die Lücke mit dem Wort aus der anderen Sprache füllen.

Oft kommen die Wörter auch mit einer Erfindung oder einem Gegenstand von einer Sprache in eine andere. Ganz gut sieht man das bei Speisen. In vielen Sprachen kennt man zum Beispiel die deutschen Wörter „Schnitzel“, „Brezel“ und „Bratwurst“. So ein Essen gab es dort vorher einfach nicht. Ins Deutsche hingegen haben wir die Wörter „Pizza“ und „Sushi“ aufgenommen. „Die Wörter wandern in jede Richtung hin und her. Das ist keine Einbahnstraße“, sagt die Forscherin.

Dabei verändern Wörter sich auch. Oft ist die Aussprache anders, manchmal wird die Schreibweise angepasst oder sogar die Bedeutung ändert sich. Ein Beispiel: Das „Halstuch“ wanderte ins Russische. „Es wurde da zum ,galstuk‘“, weil im Russischen keine Wörter mit H anfangen“, sagt Annette Klosa-Kückelhaus. Doch bedeutet das Wort im Russischen gar nicht mehr Halstuch, sondern Krawatte. Außerdem wird es eigentlich noch mal anders geschrieben, weil in Russland ein anderes Alphabet verwendet wird.

„Die Wege, die Wörter gegangen sind, sind manchmal gar nicht so leicht nachzuverfolgen“, sagt Annette Klosa-Kückelhaus. „Die Wörter wandern ja nicht nur von einer Sprache in eine andere, sondern dann noch weiter und weiter.“ Da wissen dann selbst die Forschenden manchmal nicht mehr, wie die Wörter dort hingekommen sind.

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