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Wenn Computer Gedanken lesen

13.07.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Michael Tangermann sieht aus wie ein Außerirdischer. Auf seinem Kopf trägt er eine weiße Mütze, von der 64 dünne Kabel zu einem Computer führen. Sogar mitten auf seiner Nase klebt ein Pflaster mit einem Kabel. Eine Stunde hat es gedauert, ihn so merkwürdig auszustaffieren. Doch dafür kann der Mann nun etwas, das sonst niemand schafft: Er spielt Flipper, ohne die Arme, Hände und Finger zu benutzen.

„Tüdelüt“ klingt es aus dem Flipper, dann „bingbong“. In der lilafarbenen Metallkiste blinken Lichter auf. Dann schießt eine silberne Metallkugel auf die Spielfläche. Sie prallt zweimal ab und rollt die schräge Ebene hinab, unweigerlich auf das Aus zu. Doch plötzlich bewegt sich wie von Geisterhand der Flipperschläger und schubst die Kugel zurück. Sie kullert direkt in eine Mulde, genau in die Mitte des Spielfelds. Das Gerät piept laut, spendiert viele Punkte und ein Freispiel.

Für all das hat sich Michael Tangermann nicht einen Millimeter bewegt. Seine Arme lagen die ganze Zeit auf den Lehnen seines Bürostuhls. Er hat nur daran gedacht, wie er mit der linken Hand ganz schnell den Knopf für den Flipperschläger drückt. Der Computer neben ihm hat über die Kabel seine Gedanken gelesen – und dem Flipper den Befehl erteilt: linken Knopf drücken. Das nächste Spiel verliert Tangermann, die Kugel rollt aus dem Feld. Punktabzug.

Klaus-Robert Müller interessiert sich nicht für den Punktestand. Er ist Informatik-Professor und hat dem Computer beigebracht, Tangermanns Gedanken zu verstehen. Denn die Spielerei hat für die Wissenschaftler System. Sie wollen eine neue Möglichkeit für eine Verbindung zwischen dem Menschen und einem Computer testen. Weltweit tüfteln Forscherteams daran, Computern durch Hirnstrom-Messungen das Gedankenlesen beizubringen. Sie versuchen auch, eine handlichere Mütze zu entwickeln, am liebsten ohne Kabelgewirr und Kleberei.

Nutzen soll das alles später einmal zum Beispiel gelähmten Menschen. Die – so die Idee – könnten dann mit der Kraft ihrer Gedanken ihre Rollstühle bewegen. Auch die Autoindustrie hat Interesse. Schläft ein Fahrer ein, könnte ein Warnsystem, das die Hirnströme misst, das sofort merken – und dann Alarm schlagen. Doch das ist wirklich noch Zukunftsmusik.

Forscher Michael Tangermann sitzt in einem Laborraum der Technischen Universität Berlin und ist am Kopf verkabelt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

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