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Was duftet denn hier? Räucherkerzen!

01.12.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Mal duftet es nach Bratapfel wie auf dem Weihnachtsmarkt, mal nach Weihrauch wie in der Kirche: Räucherkerzen sorgen für typischen Weihnachtsgeruch. Wie sie hergestellt werden, zeigt ein Blick in eine Räucherkerzen-Fabrik.

In Räucherkerzen kommen eine Menge Stoffe hinein.  Foto: Franziska Badenschier
In Räucherkerzen kommen eine Menge Stoffe hinein. Foto: Franziska Badenschier

Mit Schwung öffnet eine Frau die Tür zur Halle. Marion Koch ist die Chefin einer Räucherkerzen-Fabrik. Die heißt „Knox“ und ist in einem kleinen Dorf im Bundesland Sachsen. Gleich rechts neben der Tür stehen Kübel an der Wand: Eine Tonne ist voller Wacholder-Beeren. Ein anderer Behälter enthält rotbraune Späne; das ist Sandelholz. In einem Behälter daneben sieht es nach Kandiszucker aus. „Nein. Das ist Weihrauch-Harz“, sagt Marion Koch. Das ist eine klebrige Flüssigkeit, die aus dem Weihrauch-Baum gewonnen wird. Wenn sie trocknet, sieht sie aus wie Kandiszucker.

Die Beeren, Rinden und Harze bringen den Duft in Räucherkerzen. Die wichtigste Zutat ist aber Holzkohle. Das ist der Stoff, den die Kegel brauchen, um später glimmen zu können. In einem Schredder werden die Beeren, Rinden und Harze grob zerkleinert. In einer Mühle wird dann alles fein zermahlen. Das Aromapulver kommt zusammen mit der Holzkohle in einen Kübel mit Knethaken.

Daneben steht noch ein Kessel. Darin köchelt Wasser vor sich hin. Gleich kommt Leim dazu. Und noch etwas Lebensmittelfarbe: Bratapfel-Räucherkerzen sind orange, Lebkuchen-Räucherkerzen sind braun. Diese Mischung aus Wasser, Leim und Farbstoff wird einmal aufgekocht wie Pudding. Das Ganze wird dann zu der Holzmehl-Aroma-Mischung gegossen. Das klingt, als ob man backen würde. „Tatsächlich ist die Maschine eine alte Bäckermaschine“, sagt Marion Koch. „Wenn alles gut durchgeknetet ist, sieht die Masse aus wie ein Streuselkuchenteig.“

Nun werden aus der Masse die Räucherkerzen geformt: Der Teig wird in ein Metallteil mit kegelförmigen Löchern gestopft. In einem Ofen werden die Kerzen nun getrocknet. „Da darf es maximal 36 Grad Celsius sein, weil viele aromatische Öle bei einer höheren Temperatur verdampfen und dann der Duft schon fort ist“, sagt der Schwiegersohn von Marion Koch.

Nach vier Tagen ist es dann so weit: Die Räucherkerzen sind trocken. Sie werden aus dem Ofen genommen und aus der Form gelöst. Aus den Zutaten sind nun zweieinhalb große Säcke voller Räucherkerzen geworden. Jede einzelne Räucherkerze wird noch geprüft: Ist die Spitze nicht abgebrochen? Hat der Kegel irgendwo ein Loch?

Jetzt müssen die Räucherkerzen nur noch verpackt werden. Bei der großen Menge geht das nicht ohne Maschinen: Ein Gerät füllt Räucherkerzen in ein Tütchen und verschweißt dieses. Eine andere Maschine faltet kleine Pappschachteln auf. Eine Mitarbeiterin steckt jeweils ein Tütchen in eine Packung. Und die Maschine faltet die Schachtel zu. Die Schachteln werden nun auf Paletten gestapelt und in die ganze Welt verschickt. Bis sie schließlich angezündet werden und in den Räumen von Leuten ihren Duft verströmen.

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