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Walther von der Vogelweide war wie ein Popstar im Mittelalter

31.03.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Würde Walther von der Vogelweide heute leben, könnte man seine Lieder wohl im Radio hören und auf CD kaufen. Doch im Mittelalter gab es so etwas noch nicht. Da mussten die Sänger schon echt auftreten, damit das Publikum ihre Stücke hören konnte. Einer der berühmtesten Liedermacher aus dieser Zeit ist Walther von der Vogelweide. Allerdings weiß man über ihn nicht viel – nicht einmal sein Geburtstag und sein Todestag sind bekannt.

Einer, der sich gut mit ihm auskennt, ist Professor Lothar Voetz. Er sagt, dass Walther von der Vogelweide wahrscheinlich so von 1170 bis 1230 gelebt hat. Das war die Zeit der Ritter, die bei Turnieren in Rüstungen gegeneinander kämpften. Doch wenn die Ritter am Hof und auf der Burg waren, mussten sie sich gut benehmen. Besonders freundlich waren sie zu den Frauen – viele Ritter himmelten ihre Liebste mit Liedern oder Gedichten an. Auch Walther von der Vogelweide hat viele solcher Liebeslieder geschrieben. Minnegesang nennt man das, wenn ein Dichter im Mittelalter über die Liebe und seine angebetete Dame sang. „Ir vil minneclichen ougenblicke rüerent mich alhie, swann ich sie sihe, in min herze.“ Alles klar? So ähnlich hörte sich ein Liebeslied damals an. Mittelhochdeutsch nennt sich diese Sprache, die damals üblich war. Übersetzt heißt das ungefähr so: „Die liebreizenden Blicke ihrer Augen treffen mich, so oft ich sie sehe, ganz hier in mein Herz.“ Klingt schon eher verständlich, auch wenn es sich immer noch altmodisch anhört! Aber wer weiß, wie die Menschen in ein paar Hundert Jahren unsere Popsongs finden. Walther von der Vogelweide schrieb aber nicht nur über die Liebe. Er hat auch Stücke über die Politik seiner Zeit verfasst. Deshalb wissen die Forscher auch ungefähr, wann er lebte. Viele Geschichten über ihn sind allerdings nur Legenden. Eine Begegnung jedoch scheint sicher zu sein, erzählt Professor Voetz. Der Bischof Wolfgang von Erla soll dem fahrenden Sänger im November 1203 Geld für einen Pelzmantel gegeben haben. Das war in Zeiselmauer in der Nähe von Wien in Österreich. Manche sagen, dass er die letzten Jahre bis zu seinem Tod um 1230 in Würzburg in Bayern verbrachte. Dort gibt es im Kloster Neumünster auch ein Grabmal. Doch ob Walther wirklich darunter begraben liegt, weiß niemand so genau.

Eine Besucherin der Ausstellung „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“ im Kulturhistorischen Museum in Magdeburg betrachtet die gotische Buchschrift „Codex Manesse“ mit der Darstellung des Minnesängers Walther von der Vogelweide. Foto: Jens Wolf

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