Paulas Nachrichten

Wählen erst ab 18: „Ich finde das ungerecht“

06.05.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Julius Bremer ist sauer. Er ist zehn Jahre alt, und das bedeutet in Deutschland: zu jung, um Politiker zu wählen. Das ist in der Regel erst ab 18 erlaubt, also nur für Erwachsene. Das gilt auch für die Landtagswahl am 9. Mai in Nordrhein-Westfalen. Das ist das Bundesland, in dem Julius wohnt. „Ich finde das ungerecht“, sagt Julius. „Kinder haben ja auch ihre eigene Meinung.“

Julius würde zum Beispiel Politiker wählen, die etwas für den Naturschutz und für Kinder tun, die also zum Beispiel für bessere Spielgeräte auf Schulhöfen und Spielplätzen sorgen. Damit die Kinder beim Wählen gut Bescheid wissen, sollten die Lehrer ab der ersten Klasse mit ihnen über Politik reden, schlägt Julius vor. Sein Vater will die Sache richtig vorantreiben. Er hat bei einem hohen deutschen Gericht eine Beschwerde eingereicht. Das Gericht heißt Bundesverfassungsgericht und ist in Karlsruhe in Baden-Württemberg. Julius’ Ziel: ein Wahlrecht für Kinder. Diese Idee gibt es in Deutschland schon länger. Und sie sorgt immer wieder für Streit – oder wird gar nicht richtig ernst genommen.

Das sei totaler Unfug, Kinder hätten keine Ahnung von Politik, sagen viele. Aber einige Fachleute und Politiker machen sich stark dafür, dass Kinder wählen dürfen. Dazu gehört auch Renate Schmidt. Sie war mal Familienministerin. „Kinder sind bei uns die einzige Gruppe, die nur aufgrund ihres Alters nicht mitwählen darf. Das finde ich nicht richtig. Kinder verstehen eigentlich sehr viel von Politik, wenn man sie ihnen vernünftig erklärt“, sagt Frau Schmidt. Die Politiker wären dann auch gezwungen, Politik so zu erklären, dass Kinder sie verstehen. „Damit würde sie auch für manche Erwachsene verständlicher.“

Die 16 Jahre alte Birte Ribbeck gibt in ihrem Stralsunder Wahllokal ihren Stimmzettel für die Kommunalwahl ab. Foto: Stefan Sauer

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