Paulas Nachrichten

Wachsam, clever und mutig – Gänse als Wachhunde

08.04.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Wenn Jürgen Schelberger mit dem Auto zu seinen Gänsen fährt, erkennen sie das Motorengeräusch. Dann lärmen sie zur Begrüßung und wollen gestreichelt werden. Aber wehe, es kommt jemand Fremdes. „Einmal war ich krank und musste meinen Vater zu den Gänsen schicken“, erzählt Jürgen Schelberger. „Da ist einer der Ganter auf ihn losgegangen.“ Ganter werden die Männchen bei Gänsen genannt.

Gänse sind wachsame Tiere. Davon erzählt schon eine Geschichte über das alte Rom: Vor mehr als 2000 Jahren wollten die Gallier die Stadt einnehmen. Als sie sich nachts heranschlichen, merkten das nicht einmal die Wachhunde, heißt es darin. Aber eine Schar Gänse schlug Alarm! So wurden die Römer vor dem Angriff gewarnt. Jürgen Schelberger weiß, warum Gänse so wachsam sind: „Sie sind eher schreckhafte Tiere. Und Gans und Ganter bleiben ein Leben lang zusammen. Deshalb passen sie natürlich gut aufeinander auf.“ Gänse sind aber nicht nur wachsam, sondern auch clever: Sie können genau unterscheiden, wer auf ihren Hof gehört und wer nicht. Wenn Fremde kommen, machen sie Krach. Mit einer Schar Gänse könnte man jeden Wachhund ersetzen – wenn man genug Platz hat. Denn Gänse fressen nur Grünzeug und brauchen eine große Weide. Dafür muss man mit ihnen nicht Gassi gehen. Gänse sind vielleicht sogar klüger als Hunde. Einen Hund kann man schließlich bestechen: Wenn man ihm ein Stück Fleisch gibt, ist er ruhig. „Gänsen kann man zwar auch Leckerchen geben. Aber sie machen dann trotzdem Krach“, sagt Jürgen Schelberger. Beißen können Gänse nicht so wie Hunde. Aber sie schnappen mit den Schnäbeln zu und schlagen mit den Flügeln. Vor ein paar Monaten haben es brütende Gänse in Nordrhein-Westfalen sogar geschafft, einen Fuchs zu töten. Er war in ihr Gehege gekrochen, um sich eine Gans oder ein Ei zu schnappen – keine gute Idee! Das Federvieh scheuchte ihn so lange laut schnatternd rum, bis er vor Aufregung tot umfiel. Gänse sind also clever, wachsam und auch ganz schön mutig. Kein Wunder, dass immer wieder Leute sich Wach-Gänse halten: In der Stadt Barcelona in Spanien gibt es zum Beispiel eine Kirche, deren Innenhof von Gänsen bewacht wird. In Italien bewachen Gänse einige Campingplätze. Sogar das US-Militär soll schon Wach-Gänse eingesetzt haben, um Lager und Gelände zu bewachen.

Auf einem Hof in Zarnewanz in Mecklenburg-Vorpommern laufen Gänse herum. Sie werden oft gezüchtet, um ihr Fleisch später zu essen. Aber manchmal sollen sie auch aufpassen – wie Wachhunde. Wenn jemand kommt, machen die Tiere Lärm. Foto: Bernd Wüstneck

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