Paulas Nachrichten

Von Modder, Mief und frischem Duft

18.11.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Es gibt Menschen, die arbeiten tief unter der Stadt. Ihr Job ist wichtig. Denn sie reinigen die Rohre und Leitungen, durch die das Abwasser fließt. Wir haben einen von ihnen unter die Erde begleitet.

Platsch! Mit seinem letzten Schritt landet Hans-Joachim Hoch in einem kleinen Fluss von gräulich-grünem Wasser. Jetzt ist er angekommen an seinem Arbeitsplatz – tief unter den Straßen von Hamburg, mitten in der Kanalisation. Hier unten in den Sielen fließt es zusammen: das Wasser aus den Spülbecken, Toiletten, Duschen und Badewannen der Stadt. Aber auch das Regenwasser, das sich oben in den Straßen sammelt.

Schön eklig? Schön spannend! Im Abwasserkanal – im Siel – ist es stockdunkel. Nur die kleine Lampe am Helm von Hans-Joachim Hoch beleuchtet die roten Backsteinwände. Dumpfes Grollen schallt durch die Kanalisation. Das kommt von den vielen Autos, die über dem Siel durch die Straße rollen. Ein moderiger Geruch steigt in die Nase. „Wie in einem feuchten Keller“, findet der Experte. Dabei hat seine Stimme ein Echo, als würde er in den Bergen stehen.

Dieses Siel ist groß und dient nur als Verbindung zwischen den kleineren Haushaltssielen. Deshalb fließt hier auch kein Wasser aus den Toiletten und es riecht auch nicht danach. Trotzdem duftet es nicht gerade wie auf einer Blumenwiese. „Als ich vor dreißig Jahren mit dem Job begonnen habe, dachte ich schon: Ob ich das aushalte? Aber es geht“, erzählt Hans-Joachim Hoch. Die Arbeit kann beginnen. Hoch und seine Kollegen wollen das Siel vermessen. Damit sie wissen, wie sie hier ihre großen Putzmaschinen am besten einsetzen können. Damit das Wasser in der Kanalisation ordentlich abfließt, müssen die Siele regelmäßig gesäubert werden. Sonst verstopfen sie und die Brühe würde oben auf die Straße laufen. „Ich sehe das so“, sagt Hoch, „oben werden die Häuserwände gereinigt, die Fenster geputzt – und wir machen Hamburg von unten sauber.“

Wie viel Dreck sich in der Kanalisation sammelt, merkt Hoch unter seinen Füßen. Der 52-Jährige möchte ein paar Schritte durch das Wasser machen, das ihm bis an die Wade reicht. Aber das ist gar nicht so leicht! Seine Füße versinken im Modder unter der Wasseroberfläche. Es fühlt sich an, als würde man durch weichen, nassen Sand am Meer laufen. Seine Füße stecken so fest, dass er sie mit Wucht nach oben ziehen muss, um sie aus dem Matsch zu befreien. „Manch ein Kollege hat schon so festgesteckt, dass er seine Gummistiefel einfach dagelassen hat und ohne nach oben zurückgekommen ist.“ Wer in dem dunklen Matsch wühlt, kann hier unten alles Mögliche finden: Geld, Handys, Gebisse. Bei vielen Sachen wundern sich Hoch und seine Kollegen, wie die hier herunter geraten sind. „Eine Frau hat schon mal ganz aufgeregt bei uns angerufen, weil sie aus Versehen ihren Ehering die Toilette hinuntergespült hatte. Den haben wir aber leider nicht wiedergefunden“, erzählt Hoch.

Manchmal sieht er hier unten auch Ratten. Hunderttausende leben in der Kanalisation. „Aber sie sind sehr scheu.“ Dass es den kleinen Nagern in den Sielen so gut geht, wundert Hoch nicht. „An manchen Stellen finden die Tiere ein richtiges Menü wie im Restaurant. Da spülen die Leute Kartoffeln, Nudeln, Fleisch, ganze Hähnchengerippe die Toilette hinunter und die Ratten freuen sich.“ Auch Kakerlaken gibt es in der Kanalisation, „aber nur da, wo es warm ist“. Aber manchmal wird es in den dunklen Tunneln unter der Erde auch richtig gemütlich. „Wenn die Hausfrauen vormittags so gegen zehn, elf ihre Wäsche machen, riecht es hier unten plötzlich ganz frisch nach Waschmittel. Das ist toll“, schwärmt Hoch.

Hans-Joachim Hoch in voller Montur beim Einstieg in die Kanalisation Foto: Felix Hoffmann

Paulas Nachrichten

Einmal schön gruseln, bitte

Die amerikanische Halloween-Tradition, im Oktober Kürbisse zum Herstellen von Fratzen zu nutzen, hat sich auch in Deutschland durchgesetzt

In der Nacht zum 1. November feiern viele Menschen Halloween. Woher kommt der Brauch? Einige Fachleute meinen:…

Weiterlesen

Weitere Nachrichten von Paula Alle Nachrichten