Paulas Nachrichten

Von Buchstaben und Ochsenköpfen

22.05.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Schrift gibt es überall: Auf Straßenschildern und in der U-Bahn, in Büchern und Briefen – und sogar auf der Milchpackung beim Frühstück. Doch woher kommt die Schrift? Wer hat sie sich ausgedacht und warum? Schrift-Expertin Alexandra Wiebelt-Maywald hat „dpa-Nachrichten für Kinder“ erzählt, wie alles begann.

Wer hat eigentlich die Schrift erfunden?

„Vermutlich ist Schrift an mehreren Orten auf der Welt entstanden: Die Ägypter entwickelten die Hieroglyphen. Und in Vorderasien, wo heute die Länder Irak und Syrien liegen, schuf man die Keilschrift. Das war vor ungefähr 5000 Jahren. Die Chinesen haben etwa 1000 Jahre später eine eigene Schrift erfunden. Das Besondere ist: Es gibt keine Hinweise darauf, dass die verschiedenen Völker voneinander abgeguckt haben.“

Wie sahen denn die alten Schriften aus?

„Zuerst waren es einfache Bilder. Die Menschen haben das dargestellt, was sie gesehen haben. So legten zum Beispiel die Händler in Vorderasien ihren Waren kleine Münzen aus Ton in verschiedenen Formen bei. Wer drei Ochsen verschickte, legte drei Münzen dazu. Die erinnerten in ihrer Form an den Kopf eines Ochsen.“

Und wie ist aus diesen Bildern unsere heutige Schrift geworden?

„Mit der Zeit hat man die Bilder immer mehr vereinfacht. Zum Beispiel den Ochsenkopf: Ochse hieß Alif – so ist es heute noch im Arabischen. Und aus dem Bild hat sich im Laufe der Zeit der Buchstabe A entwickelt. Wenn man das A auf den Kopf stellt, sieht es immer noch ein bisschen aus wie ein Ochsenkopf. Man hat also später den Anfang eines Wortes für die Lautschrift verwendet.“

Warum ist man nicht bei der Bilderschrift geblieben?

„Die Bildschriften bestanden aus mehreren Tausend bis hin zu 50 000 Zeichen. Das war sehr unpraktisch. Mit der Zeit gingen die Menschen dazu über, die Bilder zu vereinfachen und mit Lauten zu verbinden. Das funktioniert so ähnlich wie bei einem Bilderrätsel: Will man das Wort Urlaub schreiben, für das es noch kein Zeichen gibt, nimmt man die Zeichen für Uhr und Laub. So ist aus der Bildschrift nach und nach eine Lautschrift entstanden. Und die kommt heute mit 22 bis 26 Zeichen aus.“

So sahen Hieroglyphen und Zeichen der Keilschrift aus.

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