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Viren mit speziellen Tricks

18.01.2021 05:30, Von Stefanie Paul — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Wissenschaftler haben inzwischen neun verschiedene Herpesviren entdeckt

Von einem Virus ist gerade ständig die Rede: Corona. Dabei gibt es noch viele andere, zum Beispiel Herpesviren. Haben wir die erst mal in unserem Körper, kriegen wir sie nie wieder los.

Warum sich manchmal Bläschen bilden, weiß man nicht genau. Eines der Viren verursacht Bläschen an den Lippen.  Foto: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa
Warum sich manchmal Bläschen bilden, weiß man nicht genau. Eines der Viren verursacht Bläschen an den Lippen. Foto: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa

BRAUNSCHWEIG. Hattest du schon mal Windpocken? Hoffentlich nicht! Windpocken sind superfies. Am ganzen Körper bekommt man rote Bläschen, die fürchterlich jucken und Narben hinterlassen können. Vielleicht entdeckst du solche Narben sogar bei deinen Eltern. Dass du keine Windpocken hattest, könnte einen Grund haben: Womöglich bist du dagegen geimpft. Das ist seit einigen Jahren möglich.

Das Varizella-Zoster-Virus verursacht Windpocken

Windpocken werden von einem speziellen Virus verursacht. Dieses Herpesvirus heißt Varizella-Zoster-Virus. „Es gibt insgesamt neun verschiedene Herpesviren, die den Menschen infizieren können, aber nur gegen das Varizella-Zoster-Virus haben wir einen Impfstoff“, erklärt die Wissenschaftlerin Melanie Brinkmann.

Sie erforscht die Herpesviren schon seit Langem und findet sie sehr spannend. Schließlich haben die eine Menge Tricks auf Lager. Über die wollen Forscher unbedingt mehr herausfinden. Mit einem dieser Tricks gelingt es ihnen zum Beispiel, sich für immer im Körper einzunisten.

Abwehrzellen sollen das Virus bekämpfen

Das funktioniert so: Wenn Krankheitserreger in unseren Körper eindringen, schrillt normalerweise eine Art Alarmanlage. Dann kommt unser Immunsystem zur Verteidigung ins Spiel. Es legt los und schickt Abwehrzellen, die das Virus bekämpfen sollen. Aber: „Herpesviren können diesen Alarm leise schalten“, erklärt Melanie Brinkmann.

Die Viren stellen bestimmte Stoffe her, sogenannte Proteine. „Mit diesen drehen sie an wichtigen Schalthebeln unseres Immunsystems“, erzählt die Fachfrau. Die Viren gaukeln dem Immunsystem vor: Es ist alles in Ordnung, die Abwehrzellen müssen gar nicht anrücken. So können sich die Herpesviren im Körper fast unbemerkt ausbreiten.

Haben wir uns einmal angesteckt, werden wir das Virus nicht mehr los. Denn die Viren haben noch einen anderen Trick auf Lager. „Die Viren ziehen sich eine Art Tarnkappe über und gehen in einen Ruhezustand“, sagt Melanie Brinkmann. Sie verhalten sich unauffällig, damit die Abwehrzellen sie nicht aufspüren. So können sie jahrelang in unserem Körper schlummern. Von Zeit zu Zeit kann es aber passieren, dass die Viren aufwachen. Dann kann das Varizella-Zoster-Virus eine weitere Krankheit auslösen, die sogenannte Gürtelrose. Das ist ein extrem schmerzhafter Hautausschlag, den vor allem Erwachsene bekommen. „Warum die Viren nach so vielen Jahren wieder aufwachen und wodurch sie geweckt werden, wissen wir noch nicht so genau“, sagt die Forscherin. Deshalb haben sie und andere Wissenschaftler noch eine Menge zu tun, um die Tricks der Herpesviren zu entlarven.

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