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Viele Kinder in Israel lernen noch

06.09.2008 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

In einem Jahr wird Auriel Rosenzweig aus Tel Aviv 13. Schon heute freut sich der israelische Junge darauf, dass er dann das Bar-Mizwa-Fest feiert, das mit der christlichen Konfirmation vergleichbar ist. „Ich habe mir schon den Text angesehen, den ich dann in der Synagoge vorlesen muss“, erzählt der Zwölfjährige mit den lachenden braunen Augen. „Ein bisschen aufgeregt bin ich dann bestimmt schon.“

Eigentlich ist die Familie, in der Auriel aufwächst, nicht sehr religiös. „Ich würde sagen, wir sind eher traditionell“, meint er nach längerem Nachdenken. Am Sabbath, den gläubige Juden von Freitagabend an als heiligen Tag feiern, sitzen bei ihm zu Hause alle drei Kinder mit den Eltern zum Essen am Tisch. Mit einem Glas Wein in der Hand sagt der Vater einen Segensspruch.

„Das finde ich sehr schön, aber wenn wir mehr jüdische Gebote einhalten würden, wie zum Beispiel am Sabbath kein Auto fahren und keine elektrischen Geräte benutzen, fände ich das sehr anstrengend“, sagt Auriel, dessen Vater Ira in Deutschland – in München – aufgewachsen ist.

In die Synagoge, das jüdische Gebetshaus, geht er nur ganz selten. Und dann findet Auriel es schwierig, das Gebet zu verstehen. Die Texte sind nämlich auf Hebräisch und Aramäisch, das sind zwei uralte Sprachen. „Ich mag die Lieder, die dort gesungen werden. Aber ich weiß oft nicht, welche Seite im Gebetbuch jetzt aufgeschlagen werden muss“, sagt er lachend. Er möchte sich damit später besser auskennen. „Das ist wie eine Art Herausforderung für mich. Ich glaube, so ein Wissen kann auch Spaß machen.“

In streng religiösen jüdischen Familien, die in Israel aber in der Minderheit sind, lernen die Kinder die Gebete und Gebräuche schon von klein auf ganz genau. Männer und Frauen beten in der Synagoge meist getrennt.

Eine besondere Bedeutung haben die jüdischen Feiertage wie etwa das Neujahrsfest, der Versöhnungstag Jom Kippur, das Laubhütten- und das Passahfest. „An den Festtagen gibt es bei uns immer ein besonderes Abendessen für die ganze Familie“, erzählt Auriel. „Am Jom Kippur fasten wir und fahren einen Tag lang nicht mit dem Auto.“

Was es für ihn bedeutet, jüdisch zu sein, findet er schwer zu erklären. „Das ist ganz einfach eine Tatsache, ein Teil des Lebens.“ Juden im Ausland seien oft religiöser als Israelis, meint er. „Aber Israel gilt als heiliges Land für die Juden, deshalb kommen sie alle so gerne hierher.“

Das Foto zeigt den israelischen Jungen Auriel Rosenzweig. In einem Jahr wird Auriel Rosenzweig aus Tel Aviv 13 Jahre alt. Schon heute freut sich der israelische Junge darauf, dass er dann das Bar-Mizwa-Fest feiert, das mit der christlichen Konfirmation vergleichbar ist. Foto: Sara Lemel

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