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Über Kleidung selbst entscheiden

15.06.2021 05:30, Von Corinna Schwanhold — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Die Teilnehmenden an Sportwettbewerben wollen selbst bestimmen, welche Kleidung sie tragen

Bei den Olympischen Spielen treten bald Tausende Athletinnen und Athleten an. Immer wieder fällt auf: Männer und Frauen tragen dabei unterschiedliche Kleidung. Warum ist das so?

Von links: Sarah Voss, Emelie Petz, Elisabeth Seitz, Kim Bui und Pauline Schäfer. Turnerinnen tragen meist einen eng anliegenden Anzug: wie ein Badeanzug mit Ärmeln.  Foto: Christoph Schmidt
Von links: Sarah Voss, Emelie Petz, Elisabeth Seitz, Kim Bui und Pauline Schäfer. Turnerinnen tragen meist einen eng anliegenden Anzug: wie ein Badeanzug mit Ärmeln. Foto: Christoph Schmidt

(dpa) Sie springen einen Salto, machen einen Spagat und schwingen elegant am Barren: Turnerinnen und Turner zeigen bei Wettkämpfen schwierige Übungen auf dem Boden und an Geräten. Dabei tragen Männer und Frauen ganz unterschiedliche Kleidung.

Männer sind meist in einfachen Klamotten zu sehen. Sie haben zum Beispiel eine schlichte Hose an und ein ärmelloses Shirt. Bei Frauen ist das anders: Sie tragen oft knappe und sehr enge Gymnastikanzüge in bunten Farben und mit Glitzer. Warum besteht dort ein Unterschied?

Mit dieser Frage beschäftigt sich die Wissenschaftlerin Gabriele Sobiech. Sie erklärt: Von Männern wird zum Beispiel erwartet, dass sie stark und durchsetzungsfähig sind. Welche Kleidung sie beim Sport tragen, sei oft nicht so wichtig. „Frauen sollen dagegen schön und anmutig sein“, fügt sie hinzu. Oft wollten zum Beispiel Sport-Verbände oder Zuschauer, dass die Frauen Kleidung tragen, die den Körper betont.

Das ist zum Teil sogar in den Regeln der Sportverbände festgeschrieben. Beachvolleyballerinnen mussten bis vor wenigen Jahren bei Turnieren zum Beispiel knappe Hosen anziehen. Als es bei den Olympischen Spielen im Jahr 2012 zum ersten Mal Box-Wettkämpfe für Frauen gab, sollten die Athletinnen Miniröcke tragen.

Viele Sportlerinnen haben auf diese knappe Kleidung keine Lust mehr. Bei der Europameisterschaft im Turnen gab es zum Beispiel eine Neuerung: Die deutschen Sportlerinnen traten in Ganzkörper-Anzügen an, die auch die Beine bedeckten. Das war für viele Leute eine Überraschung!

Eine der Turnerinnen war Elisabeth Seitz. Sie trug bislang immer einen klassischen Gymnastik-Anzug, der ein bisschen aussieht wie ein Badeanzug, nur meist mit langen Armen. „Wir Frauen haben uns im deutschen Nationalteam darüber unterhalten, wie wir uns eigentlich in unseren Anzügen fühlen“, erzählt sie. Dabei sei herausgekommen, dass sich einige manchmal nicht so gut in den bisherigen Anzügen fühlten. Gemeinsam überlegten die Sportlerinnen, was sie anders machen könnten. Sie entwickelten die Ganzkörper-Anzüge, die eine Schneiderin für sie nähte. In den neuen Anzügen fühle sie sich super, sagt Elisabeth Seitz. „Ich frage mich nicht mehr, ob etwas verrutscht ist und ob man mehr von meinem Körper sieht, als ich möchte“, sagt sie. Den Turnerinnen gehe es nicht darum, dass ab jetzt alle Ganzkörper-Anzüge tragen sollten. „Aber jede Sportlerin soll das Gefühl haben, dass sie zu nichts gedrängt wird und tragen kann, was sie mag“, sagt Elisabeth Seitz. Auch für Nachwuchs-Turnerinnen hat sie einen Tipp: „Turne in der Kleidung, in der du dich wohlfühlst!“

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