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Treffsichere Giftschleudern

30.08.2008 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Guido Westhoff hat keine Angst. Er ist Schlangenforscher und lässt sich für die Wissenschaft absichtlich von Speikobras bespucken. Würde er das Gift direkt in die Augen bekommen, könnte er sogar blind werden. „Mir passiert aber nichts“, sagt der Biologe von der Uni Bonn in Nordrhein-Westfalen. „Ich habe ja einen Schutzschild an.“

Mit einem großen Plastikvisier vor dem Kopf geht er zum Terrarium, in dem eine rote Mosambik-Speikobra wartet. Sachte öffnet er die Tür und entfernt den Deckel einer schuhkartongroßen Holzkiste. Dann hebt er die Schlange vorsichtig hoch. Und dann lässt er sie los. Die Kobra richtet sich auf und schaut Guido Westhoff direkt ins Gesicht.

„Achtung!“, ruft er noch, und dann hört man nur ein leises Zischen. „Zack!“, ruft er triumphierend. „Jetzt hat sie gespuckt.“ Warum die Schlange den Forscher angegriffen hat, ist klar: „Sie war schutzlos und fühlte sich angegriffen, da hat sie sich gewehrt.“ Bei früheren Versuchen hat der Forscher das Spucken mit einer besonderen Kamera aufgenommen. Die knipst mit Hochgeschwindigkeit und schafft 250 Bilder pro Sekunde.

So konnte er sehen, wie die Tiere zielen und spucken. „Dabei zuckt der Kopf blitzartig nach vorn. Die Kobra spritzt dann mit weit aufgerissenem Maul das Gift durch ihre kanülenartigen Zähne.“ Kanülen sind hohle Nadeln, durch die Flüssigkeit durchkommt. Das Spucken dauert nur den Bruchteil einer Sekunde.

Auf dem Video in der Superzeitlupe sah Westhoff später, dass Speikobras dabei den Kopf entweder schnell kreisen oder auch nach rechts und links bewegen. „Damit verteilen sie das Gift besser im Gesicht“, erklärt er. Das hat Vorteile“ Trifft eine Schlange ihren Gegner direkt, muss sie ihn nicht mehr beißen. „Das ist viel einfacher und sicherer“, meint der Schlangenfachmann. Inzwischen hat er das Terrarium wieder geschlossen. Und die Speikobra hat sich beruhigt.

Das Spucken müssen die Tiere übrigens nicht erst lernen. Das hat Guido Westhoff schon selbst erfahren. „Einmal hat mich eine Speikobra, die gerade schlüpfen wollte und nur mit dem Kopf aus dem Ei geschaut hat, direkt angespuckt“, erzählt er. Zum Glück hatte er dabei auch das Schutzvisier an.

Speikobra Foto: Frank Luerweg

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