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Tierische Handwerkskunst: So cool sind Spinnennetze

20.10.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Wir finden sie oft in Sträuchern, Bäumen oder in Ecken in unseren Zimmern: Spinnennetze. Was die achtbeinigen Krabbeltiere da bauen, ist echt faszinierend.

Dr. Pascal Marty arbeitet im Zoo Zürich.  Foto: Mariana Friedrich/dpa
Dr. Pascal Marty arbeitet im Zoo Zürich. Foto: Mariana Friedrich/dpa

ZÜRICH. Hast du dir schon mal ein Spinnennetz aus der Nähe angeschaut? Meist schrecken wir vor den Erbauern zurück, dabei sind Spinnen faszinierende Handwerker! Wie viele Spinnenarten es genau gibt, ist nicht ganz klar. Pascal Marty ist Biologe im Zoo Zürich. Er meint, dass mehr als 100 000 Spinnenarten auf der Welt leben. So unterschiedlich wie die vielen Spinnen sind auch die Netze, die sie bauen.

Wir kennen meist die Netze, mit denen Spinnen ihr Futter fangen wollen. Sie bauen diese Netze in Pflanzen oder in Zimmerecken. Die Netze sehen sehr gleichmäßig aus und sind oft klebrig. Insekten übersehen sie und verfangen sich darin. Die Klebrigkeit hat aber noch eine andere Funktion: „Wenn sich ein Beutetier wehrt, sorgt die Klebeschicht dafür, dass es sich in den Fäden verheddert und schlechter bewegen kann.“

Je größer die Spinne sei, desto eher könne sie ihre Beute ohne Netz fangen, sagt Pascal Marty. Trotzdem nutzen auch große Spinnen Netze. „Viele Vogelspinnen zum Beispiel kleiden damit ihre Wohnhöhle aus.“ Diese Wohnnetze sehen wie ein sehr feiner weicher Stoff aus.

„Manche Spinnen haben auch eine Art Alarmanlage aus Fäden entwickelt“, erklärt Pascal Marty. „Das kann man sich vorstellen wie Stolperdrähte, die mit dem Spinnennetz verbunden sind. Wenn ein Tier darüberstolpert, spürt die Spinne die Vibration im Netz und weiß, wo sich die Beute befindet.“

Das alles geht mit den dünnen Fäden, weil sie enorm stabil sind. Ein Spinnennetz ist viel reißfester als ein gleich dünner Faden aus Stahl und viel dehnbarer, sagt Pascal Marty.

Natürlich können wir uns nicht an einen Spinnenfaden hängen wie Spiderman. „Aber kleine, leichte Spinnen können ihre Fäden tatsächlich nutzen, um sich fortzubewegen. Sie hängen ihre Fäden in die Luft und lassen sich daran mitziehen.“

Ihre Fäden brauchen diese achtbeinigen Handwerker nicht nur als Baustoff. Sie kommunizieren auch damit. „Die Spinnenfäden können mit Duftstoffen versehen sein.“ Wie ein Hund, der sein Revier markiert. „Männliche Spinnen können daran erkennen, ob hier ein Weibchen auf Partnersuche wohnt. Weibchen erkennen an der spezifischen Bewegung, ob es eine männliche Spinne ist, die gerade ihr Netz betritt.“

Weil Spinnenfäden so vielfältig und stabil sind, arbeiten Forscher daran, sie künstlich herzustellen. Wissenschaftler der Universität in Bayreuth haben bereits Turnschuhe aus Spinnenfäden erstellt, die besonders leicht und stabil sind. „Wir können von der Natur sehr viel lernen und für positive Sachen für uns nutzen“, sagt Pascal Marty. dpa

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