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Takashi spielt seither weniger draußen

10.03.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Viele sind traurig, wenn sie an diesen Tag denken: Am 11. März vor einem Jahr passierte in Japan ein Unglück. Ein Erdbeben und eine Flutwelle erschütterten das Land, ein Atomkraftwerk wurde beschädigt. Moritz Wohlrab war dort und hat erzählt, wie es den Menschen dort nun geht.

Stundenlang könnte der Junge draußen mit dem Fußball herumtoben. So verbringt Takashi am liebsten seine Freizeit. Doch seit einem Jahr darf der siebenjährige Junge aus Japan das nicht mehr so viel: Sein Vater macht sich Sorgen, dass sein Sohn zu viel gefährliche Strahlung abbekommt. Denn vor einem Jahr am 11. März gab es ein Unglück in einem Atomkraftwerk. Seither entweichen aus der Anlage zum Herstellen von Strom Strahlen, die krank machen können. Einige Regionen in Japan sind davon besonders betroffen.

„Der Junge und seine Familie wohnen in einem kleinen Häuschen, etwa 60 Kilometer von dem Atomkraftwerk entfernt“, erzählt Moritz Wohlrab. Er hatte die Familie vor Kurzem bei einem Besuch in der Stadt Fukushima kennengelernt. Der 36-Jährige arbeitet für Hilfseinrichtungen, die im Notfall helfen.

„Der Vater macht sich Sorgen, dass sein Sohn krank werden könnte“, sagt Moritz Wohlrab. „Er hat sogar im Garten die obersten zehn Zentimeter der Erde weggeschaufelt, weil die verstrahlt sein könnten. Die Erde türmt sich nun in den Ecken des Gartens“, berichtet der Helfer. „Der Vater möchte, dass sein Sohn wieder im Garten kicken kann, weil der Junge das Spielen draußen so vermisst.“

Noch immer bestimmen die Folgen des Unglücks das Leben der Menschen, erzählt Moritz Wohlrab. Bei seiner Reise hat er noch mehr Leute getroffen. „Sie fragen sich zum Beispiel, ob sie besser woanders in Japan hinziehen sollten. Also weit weg vom Atomkraftwerk.“ Wegen der Strahlen bekamen Kinder auch spezielle Geräte, mit denen sie die Stärke der Strahlung messen können. „Bei meinem ersten Besuch im November trugen sie die Geräte um den Hals“, sagt Moritz Wohlrab.

Doch nicht nur die Angst vor den Strahlen veränderte das Leben Tausender Menschen. Denn an dem Tag im März vor einem Jahr gab es in Japan ein heftiges Erdbeben und eine schlimme Flutwelle, die vom Meer auf Landflächen traf. Auch dort war Moritz Wohlrab vor wenigen Wochen: „Damals riss das Wasser viele Häuser weg und damit alles, was den Menschen gehörte: Möbel, Kleidung, Spielzeug und, und, und“, erzählt er. „Deshalb sieht man heute in den betroffenen Gebieten viele kleine Wohnsiedlungen. Die bestehen aus einzelnen Containern. Sie wurden für die Menschen aufgebaut, damit diese dort vorübergehend wohnen können.“

Oftmals seien die Container nur mit wenigen Möbeln eingerichtet, sagt Moritz Wohlrab. „Aber manchmal haben Kinder auch Bilder für die Wände gemalt, damit es freundlicher aussieht.“

Manche Familien hätten auch spezielle Ecken in den Containern, wo Fotos von früher aufgestellt seien. „Einige haben ihre alten Fotos sogar erst später wiedergefunden, weil sie vom Wasser weggespült wurden“, berichtet Moritz Wohlrab. „Es gab ein Projekt, wo herumliegende Fotos gesammelt und dann ausgestellt wurden. Die Leute konnten dann kommen und schauen, ob alte Bilder von ihnen dabei sind.“

Der Junge Takashi aus Japan spielt gerne Fußball. Doch er darf nicht mehr so viele Stunden raus wie früher. Sein Vater macht sich Sorgen, dass er krank werden könnte. Foto: Aktion Deutschland hilft/Moritz Wohlrab

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