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Stange für Stange aus der Erde holen

23.04.2020 05:30, Von Karlotta Ehrenberg — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Spargel ist lecker – aber die Ernte ist anstrengend

Nun liegt er wieder im Supermarkt, irgendwo zwischen Erdbeeren und Tomaten: der Spargel. Aber wie werden die weißen Stangen eigentlich geerntet? Ein Besuch auf einem Spargelfeld zeigt, wie viel Arbeit dahintersteckt.

Mit einem Messer sticht Leszek Piasecki Spargel aus dem Erdhügel.Foto: Karlotta Ehrenberg
Mit einem Messer sticht Leszek Piasecki Spargel aus dem Erdhügel.Foto: Karlotta Ehrenberg

Jedes Jahr warten Liebhaber des Spargels sehnlichst auf den Monat April. Dann werden die weißen Stangen wieder geerntet. Fachleute sprechen aber eigentlich nicht von ernten. Sie sagen: Der Spargel wird gestochen.

Vor dem Stechen gräbt der Erntehelfer Leszek Piasecki die Spargelstange ein wenig frei. Spargel zu stechen, ist eine mühsame Handarbeit. Foto: Karlotta Ehrenberg/dpa
Vor dem Stechen gräbt der Erntehelfer Leszek Piasecki die Spargelstange ein wenig frei. Spargel zu stechen, ist eine mühsame Handarbeit. Foto: Karlotta Ehrenberg/dpa

Leszek Piasecki ist einer, der die weißen Stangen aus dem Boden holt. Er arbeitet auf dem Spargelhof Jakobs in Beelitz. Der Ort im Bundesland Brandenburg ist bekannt für seinen Spargel. Die meisten Spargelstecher dort sind aus anderen Ländern angereist, um den Bauern bei der Ernte zu helfen. Leszek Piasecki kommt aus dem Land Polen.

Auf dem Feld türmen sich in langen Reihen große Erdhaufen auf. Darin wächst der Spargel. Die Hügel werden mit zwei Plastikfolien bedeckt, unten eine schwarze, darüber eine durchsichtige. „Darunter wird es richtig schön warm“, sagt Leszek Piasecki. Die Wärme hilft den Pflanzen beim Wachsen.

Die schwarze Folie sorgt auch dafür, dass der Spargel kein Licht abbekommt, wenn er aus der Erde sprießt.

„Durch das Licht wird der Spargel violett, und die Knospe an der Spitze geht auf“, erklärt Leszek Piasecki. Beides soll nicht passieren. Der Spargel soll schön weiß und die Knospe geschlossen bleiben. So lieben ihn die Käufer.

Ist die Folie weg, schauen aus dem Erdhügel vereinzelt Spargelspitzen heraus. „Die kann man ernten“, sagt der Erntehelfer. Mit der Hand gräbt er die Spargelstange etwas frei. Da kommt noch eine zweite Stange zum Vorschein. „Die ernten wir an einem anderen Tag, die muss noch wachsen“, erklärt er. Beim Ernten wird klar, warum Leszek Piasecki und die anderen Spargelstecher genannt werden: Mit einem langen Messer sticht er neben der Spargelstange tief in die Erde. Weil das Messer gebogen ist, kann er die Stange unten abschneiden. Das Loch schließt er dann wieder mit Erde. Dazu benutzt er eine Kelle.

Diese Arbeit muss er für jede einzelne Spargelstange machen. Dauert das nicht ewig? „Ich bin schnell“, sagt Leszek Piasecki und lacht. Profis wie er schaffen rund 120 Kilo am Tag. „Wenn wir mehr ernten, verdienen wir auch mehr“, erklärt er.

Die Spargelstecher arbeiten bei jedem Wetter: Wenn es regnet, wenn der Wind ihnen die sandige Erde ins Gesicht weht oder wenn die Sonne brennt. Dabei laufen sie viel, und die Arbeit strengt Hände und Rücken an.„Der erste Tag ist immer ein bisschen hart“, sagt Leszek Piasecki. „Aber dann gewöhne ich mich wieder dran.“

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