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Spanische Grippe: Als die Welt krank wurde

04.03.2021 05:30, Von Stefanie Paul — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Vor etwa 100 Jahren war schon einmal ein gefährliches Virus unterwegs

Die Spanische Grippe war doch viel gefährlicher! Das hört man Leute immer wieder sagen, wenn es um das Coronavirus geht. Vor rund 100 Jahren wütete die Spanische Grippe. Millionen Menschen starben. Zum Glück wissen wir heute mehr über Viren.

Vor etwa 100 Jahren erkrankten Millionen Menschen an der Spanischen Grippe.  Foto: National Museum of Health and Medicine
Vor etwa 100 Jahren erkrankten Millionen Menschen an der Spanischen Grippe. Foto: National Museum of Health and Medicine

Die Schulen sind geschlossen. Die Straßenbahnen fahren nicht. Aha! Das ist bestimmt ein Bericht über das Coronavirus und die Einschränkungen, die es deshalb gibt. Falsch gedacht! Vor rund 100 Jahren gab es so etwas auch schon mal.

Damals wütete in vielen Teilen der Welt die sogenannte Spanische Grippe. Das war eine fürchterliche Krankheit, an der viele Millionen Menschen starben. Ihren Ursprung hatte die Spanische Grippe vermutlich im Land USA. Von dort aus verbreitete sich die Krankheit beinahe über die ganze Welt. Zwischendurch ging die Zahl der Erkrankten etwas zurück, doch in den Herbstmonaten nahm sie wieder rasant zu. Zwei Jahre dauerte diese Krise an. Dann erst ebbte sie ab.

Damals wurde fast nicht über die Grippepandemie berichtet

Während heute ständig über das Coronavirus berichtet wird, sah das vor rund 100 Jahren ganz anders aus. „Man fand in den Zeitungen fast nichts darüber“, erzählt der Forscher Philipp Osten. Er kennt sich mit der Geschichte der Spanischen Grippe bestens aus. Dass sie zumindest in den deutschen Zeitungen keine große Rolle spielte, hatte einen Grund: Als die Krankheit im Mai 1918 ausbrach, war der Erste Weltkrieg noch in vollem Gange.

Vier lange Jahre wurde erbittert gekämpft und Millionen Menschen verloren ihr Leben. Der Bevölkerung ging es schlecht, es gab nicht genug zu essen, viele waren bettelarm und krank. „Das Gesundheitssystem war durch den Krieg komplett zusammengebrochen – und dann kam auch noch die Spanische Grippe“, sagt der Fachmann.

Berichte darüber wurden deshalb unterdrückt. Denn die Mächtigen wollten Panik verhindern. Man wusste damals nicht, was es mit dieser neuen Krankheit auf sich hatte, wodurch sie ausgelöst wurde oder wie man sie am besten heilen konnte.

Viele Maßnahmen von damals wirken auch heute

Vor allem in den USA wurden während dieser Zeit besondere Maßnahmen ergriffen, die uns heute bekannt vorkommen: Maske tragen, Menschenansammlungen meiden, Quarantäne. In Deutschland gab es das damals nicht so häufig. Das lag zum Teil auch daran, dass viele Politiker sich um andere Themen Gedanken machten.

Das Land befand sich mitten in einem gewaltigen Umbruch: Der Kaiser war weg und es entstand ein neuer Staat, eine Demokratie. Und war die Spanische Grippe tatsächlich gefährlicher als die jetzige Corona-Krise? Das lässt sich schwer vergleichen.

„Momentan wissen wir einfach noch zu wenig über das neue Coronavirus“, sagt der Experte. Zudem war die Ausgangssituation vor 100 Jahren ganz anders.

Die Menschen waren durch Krieg und Hunger sehr geschwächt. Hinzu kommt: Heute haben wir sehr viel bessere Krankenhäuser und Medikamente. Und wir wissen viel mehr über Viren.

Doch warum endete die Spanische Grippe dann überhaupt? „Viele Menschen wurden gegen die Grippe immun. Sie erkrankten also nicht noch einmal daran“, erklärt Philipp Osten. Doch völlig verschwand der Grippe-Erreger nicht. Varianten des damaligen Virus traten auch später noch auf.

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