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Sich mit dem Stift über etwas lustig machen

02.11.2019 05:30, Von Ines Klose — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Karikaturen gibt es schon sehr lange, denn sie sind gezeichnete Kritik

Einige zeichnen aus Langeweile. Andere zeichnen etwas, das hübsch aussieht. Und einige möchten mit ihren Zeichnungen über etwas meckern, etwa über Politiker. Das machen sie gerne mit Witz und Spott.

Die Kuratorin Rebecca Leudesdorff zeigt auf eine Karikatur von Queen Elizabeth II. an einer Wand im Caricatura Museum in Frankfurt.
Die Kuratorin Rebecca Leudesdorff zeigt auf eine Karikatur von Queen Elizabeth II. an einer Wand im Caricatura Museum in Frankfurt.

FRANKFURT/MAIN. Die Nase wirkt riesig, die Haare stehen komisch ab und der Kopf erscheint auch noch viel zu groß. So sieht doch keiner aus! Doch, auf dem Papier schon. Und zwar, wenn jemand als Karikatur gezeichnet wurde. Was das genau ist, kann Rebecca Leudesdorff erklären. Sie arbeitet in einem Museum für Karikaturen in Frankfurt am Main im Bundesland Hessen.

Auf dieser Zeichnung macht es sich die Katze im Bett bequem, während der Mann auf dem Kratzbaum schlafen muss.  Fotos: Ines Klose
Auf dieser Zeichnung macht es sich die Katze im Bett bequem, während der Mann auf dem Kratzbaum schlafen muss. Fotos: Ines Klose

Was ist eine Karikatur?

Rebecca Leudesdorff: „Die Karikatur ist eine Form der Kunst. Oft geht es darum, jemanden zu veräppeln, etwa eine Politikerin oder einen Politiker. Oder darum, eine Situation zu kritisieren, die man nicht richtig findet. In einer Karikatur wird diese Sache ganz besonders krass dargestellt. Dadurch kann jeder sofort verstehen, worum es geht. Jemand, der laut lacht, bekommt nicht einfach nur einen offenen Mund, sondern der Mund ist riesig und total weit aufgerissen. Auch bestimmte Körperteile wie Ohren und Nase sind oft übertrieben groß.“

Können Sie ein Beispiel nennen?

„Berühmte Leute können sehr gut überzeichnet werden. Jeder kennt sie und erkennt sie deswegen auch, wenn sie gezeichnet werden. Dazu gehört zum Beispiel der US-amerikanische Präsident Donald Trump.

Er hat eine so lustige Frisur, dass viele Zeichner das als sein Zeichen nehmen und sich dazu witzige Sachen ausdenken. Einmal hat ein Zeichner die Haare von Donald Trump in einen blonden Klodeckel verwandelt. Damit sagt er: Donald Trumps Kopf ist eigentlich ein Klo!“

Auch Cartoons sind lustig. Was ist der Unterschied zur Karikatur?

„Ein Cartoon ist etwas aus dem Alltag und erzählt mehr eine kleine Geschichte. Wir haben im Museum zum Beispiel einen lustigen Cartoon, der einen Mann zeigt, der auf dem Baum schläft, während seine Katze allein im weichen Bett unter der großen Bettdecke liegt. Die Katze ist also der Chef und verbannt den Mann auf ihren Kratzbaum.“

Muss denn eine Karikatur immer witzig sein?

„Neee, gar nicht. Was ganz wichtig an einer Karikatur ist: Dass sie zum Nachdenken anregt.

Ob in der Situation, die da gezeichnet wurde, vielleicht irgendwas komisch gelaufen ist. Oder ob die Person sich nicht so verhalten hat, wie man sich verhalten sollte.

Eine Karikatur kann auch mal gemein sein oder erschreckend.“

Gibt es auch Karikaturen für Kinder?

„Ich glaube, es gibt keine speziellen Karikaturen, die extra für Kinder gemacht wurden.

Denn um den Witz einer Karikatur zu verstehen, muss man die Situation oder den Politiker kennen. Kinder verstehen natürlich ganz schön viel und sind auch oft ganz schön lustig. Aber es gibt einfach zu wenige Künstler, die sich damit beschäftigen, was genau Kinder alles verstehen können.“

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