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Schwimmender Jäger der Urzeit -

13.09.2008 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Er hatte einen schlangenförmigen Hals mit einem kleinen Kopf daran. Anstelle von Beinen trug er Paddel am Körper, ähnlich einem Pinguin. Mit ihnen flitzte er pfeilschnell durchs Meer und machte Jagd. Die Rede ist von einem Plesiosaurier. Fische und Tintenfische konnten dieser schwimmenden Urzeit-Echse nur schwer entkommen. Allerdings ist das schon viele Millionen Jahre her.

Bei einem Beutezug durch das urzeitliche Meer muss einem der Plesiosaurier damals etwas passiert sein. Vielleicht war er krank oder alt. Vielleicht hatte ihn ein Dinosaurier bei einem kurzen Ausflug an Land schwer verletzt. Irgendwann ist er jedenfalls im Wasser gestorben. Sein Körper sank rücklings auf den Meeresboden. Dort legte sich schnell eine dicke Schicht aus Sand und Mineralien auf ihn. Die schloss alles ohne Luft dazwischen ab und wurde später immer höher. Darunter versteinerte die tote Echse. Und so lag sie dort etwa 185 Millionen Jahre lang.

Doch im vergangenen Jahr ist der Plesiosaurier wieder aufgetaucht. Ein Hobby-Forscher entdeckte sein versteinertes Skelett in einer Tongrube in Höxter in Westfalen. Ein Meer gibt es hier schon lange nicht mehr. Aber der Saurier lag noch immer auf dem Rücken.

Für die Wissenschaftler vom Museum für Naturkunde in Münster ist er eine Sensation. „Noch nie ist Norddeutschland ein so gut erhaltenes Skelett eines Plesiosauriers entdeckt worden“, sagt Michael Böckmann. Vier Meter lang ist die Versteinerung der Echse. Rippen, Schulterblätter und Wirbel sind zu erkennen. Nur der Schädel, ein Teil des Halses und einige Knochen der Paddel fehlen.

Michael Böckmann und seine Kollegen haben das Skelett in zehn riesigen, schwarzen Steinblöcken in ihre Werkstatt gebracht. Dort wird jetzt fleißig gebohrt und gefräst. „Man muss sehr vorsichtig sein“, erzählt der Forscher. Manchmal bröckelt der Stein auseinander. Fast wie Bildhauer meißeln die Wissenschaftler die Saurier-Knochen zentimeterweise aus den Blöcken heraus.

Richtige Knochen legen sie dabei aber nicht frei. Denn unter dem Druck der Sandschicht ist das Skelett des Sauriers im Laufe der Zeit selbst zu Stein geworden. Wenn Böckmann und seine Kollegen fertig sind, soll der Jäger aus dem Urzeit-Meer für alle zu sehen sein. 2010 soll es so weit sein. Dann wird das Skelett zum ersten Mal ausgestellt – zunächst bei einer Landesausstellung im Römisch-Germanischen Museum in Köln, danach im LWL-Museum für Archäologie in Herne.

Der geologisch-paläontologische Präparator und Restaurator Michael Böckmann arbeitet in einer Werkstatt des LWL-Museums für Naturkunde in Münster mit einem Präparationsstichel an einem Teilstück der Wirbelsäule des Plesiosaurus. Der tierische Jäger aus der Urzeit ist sehr empfindlich. Foto: Friso Gentsch dpa

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