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Schüler als Richter ohne Robe

04.09.2008 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Lars und Christina sehen nicht so aus, wie man sich Richter vorstellt. Sie tragen keine schwarzen Roben, sondern haben Jeans und bunte T-Shirts an. Auch Akten haben sie keine unter dem Arm. Sie gucken nicht streng, lachen viel und machen manchmal Witze. Trotzdem sind der 16-jährige Lars und die 15-jährige Christina Schülerrichter in Halberstadt in Sachsen-Anhalt.

Zusammen mit zwölf Jungen und Mädchen bestrafen sie Gleichaltrige, die etwas Böses gemacht haben. Das kann zum Beispiel eine Beleidigung, ein Diebstahl oder Autofahren ohne Führerschein sein. Ins Gefängnis stecken die Schülerrichter die Täter aber nicht. Diese müssen sich beim Opfer entschuldigen, einen Aufsatz schreiben oder als Wiedergutmachung ein paar Stunden arbeiten.

Einen richtigen Gerichtssaal haben Lars und Christina auch nicht. Sie sitzen zusammen mit den anderen „Richtern“ Julia und Christine an schweren Holztischen. Der Raum, der zu einem Kirchenzentrum gehört, ist einfach eingerichtet und sehr hell. Auf einem Stuhl sitzt der Beschuldigte. Manchmal räumen sie den Raum auch um. Das darf sich der Angeklagte aussuchen. „Er muss sich wohlfühlen“, sagt Lars.

Geredet wird in der gleichen Art wie auf dem Schulhof oder im Jugendclub. „Das lockert alles auf.“ Draußen an der Tür hängt ein Papierschild. Darauf steht „Schülergremium. Bitte nicht stören!“. So heißt das offiziell, wo sich die vier Schüler in ihrer Freizeit engagieren. Mindestens drei Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren bilden ein solches Gremium.

Um was es geht, wissen die Schülerrichter schon vorher. Ein Erwachsener spricht mit ihnen darüber. Sie wissen, was der Junge oder das Mädchen gemacht hat. „Dann kann man sich gut reinversetzen“, sagt Christina.

Meistens sprechen sie eine Stunde mit dem Angeklagten. „Sie sind froh, dass sie nicht vor einem richtigen Gericht sind.“ Danach verhängen sie gemeinsam eine Strafe. Die Schülerrichter nennen das Sanktion. Finden andere Schüler das besondere Gericht eigentlich gut? „Viele haben gesagt: ,Das ist doch Schnullifax‘“, sagt Lars. „Aber die wissen nicht Bescheid.“ Die jungen Richter jedenfalls sind sich sicher, dass es eine gute Sache ist.

Nach ihrer Verhandlung sind Christina, Lars, Julia und Christine erleichtert. „Manchmal haben wir Muffengang“, sagt Julia. Heute aber hat es allen Spaß gemacht. „Der Täter hat gut mitgemacht.“ Seine Strafe: Er muss einen Aufsatz über seine Tat schreiben. Das haben die vier so entschieden. „Da kann er über alles nachdenken“, meinen sie.

Angst, dass sich die Verurteilten einmal an ihnen rächen könnten, haben die Schülerrichter nicht. „Die machen das doch freiwillig und werden vorher gefragt“, sagt Christina.

Auch die Polizei entscheidet mit. Sie klebt lange vorher einen orangefarbenen Zettel auf die Akte der Behörden. Darauf kann man lesen: „Fürs Schülergremium geeignet“.

So in etwa sieht es aus, wenn ein Schülergremium in Halberstadt im Bundesland Sachsen-Anhalt tagt. Foto: Ray Behringer/Verein Anti-Gewalt-Zentrum Harz

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