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Schlummern, reifen, iss mich! – Geschichte einer Banane

29.07.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Chrrrrrffff, chrrrrrffff... hört ihr mich schnarchen? Ach nein, könnt ihr ja gar nicht. Ich kann nämlich gar nicht schnarchen. Und sprechen erst recht nicht. Ich bin schließlich kein Mensch, sondern eine Banane. Aber meine Geschichte will ich euch trotzdem erzählen. Im Moment schlummere ich noch im Bauch eines riesigen Schiffs.

Das Schiff ist so groß, dass 400 Lastwagen darauf Platz hätten. Es ist auf dem Weg von Ecuador in Südamerika nach Hamburg in Norddeutschland. Im Bauch des Schiffs ist es ziemlich kühl. So, wie an einem regnerischen Herbsttag in Deutschland, ungefähr zehn Grad. Deshalb liege ich auch hier und schlummere. Eingepackt in Folie und einen Pappkarton, neben vielen anderen Bananen. Wenn es nicht so frostig wäre, würde ich anfangen, reif und gelb zu werden. Dafür muss es aber mindestens 13,2 Grad warm sein. Wenn ihr mich jetzt schälen und hungrig in mich hineinbeißen würdet... Igitt!! Dann habt ihr voll die pelzige Zunge. Ich bin grün wie Gras und schmecke nicht besser als eine rohe Kartoffel. Noch nicht. Vorher muss sich die Stärke in mir drin in Zucker umwandeln. Aber das dauert noch. Schließlich sind wir noch nicht mal im Hamburger Hafen. Drei, manchmal auch fünf Wochen braucht das Schiff.

Wir sind da! Schnipp, schnapp. Da hat jemand zwei Löcher in die Folie geschnitten. Jetzt geht’s ab in die Reifekammer. Hä, warum legt ihr uns nicht einfach auf eine Fensterbank, damit wir gelb und süß werden? Ach, wir sind ja so viele. Wer hat schon so eine große Fensterbank? Außerdem sollen wir alle gleichzeitig reif werden. Und nicht jeder, wie er will.

Also ab in die Reifekammer. Sieht aus wie eine Garage mit einem großen Tor davor. Endlich wird’s wärmer, ach wie schön! So ungefähr 15 Grad, immerhin. Und wir werden begast.

Große Ventilatoren blasen ein Gemisch aus Luft und Gas in die Kammer. Es enthält Ethylen. Das ist ein Hormon, das Bananen auch selbst produzieren. Wir könnten also ganz von alleine reif werden. Doch wie schnell das gehen soll, wollen die Menschen für uns bestimmen.

Fünf Tage. So lange dürfen wir noch faul sein. Ach nein, nicht FAUL natürlich. Dann würde uns ja keiner mehr kaufen. Vielleicht sollte ich sagen: untätig. Rund fünf Tage dauert es, bis wir die Farbstufe 4 erreicht haben. Also gelb mit grünen Spitzen. Dann werden wir in den Supermarkt gefahren. Dort geht die Arbeit richtig los...

Dann versuchen wir alle, so appetitlich wie möglich zu strahlen. Ich hatte Glück, weil ich beim Transport keine braunen Flecken abbekommen habe. Fleckige Bananen will niemand. Am ärmsten sind die Tigerbananen dran. Sie sind mit braunen Punkten übersät und schon viel zu reif. Hallo, hiiier, hierher! Kauf mich, kauf mich! Und dann iss mich bitte schnell. Sonst werde ich auch noch zur Tigerbanane...

Kein Affe und kein Mensch biegt die Banane krumm – sondern die Sonne.

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