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Schlangenfleisch und Kräuter: Arzneien von früher

11.07.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Wer krank ist, geht zum Arzt. Und wenn der Medizin verschreibt, bekommt man diese in der Apotheke. Auch vor 200 Jahren gab es bereits Apotheken. Die Menschen damals kannten schon viele Medikamente.

„Von manchen Pflanzen wusste man, dass sie gegen eine Krankheit helfen können“, erzählt Bettina Wahrig. Sie arbeitet an der Universität Braunschweig in Niedersachsen in einer Sammlung voller alter Arzneimittel.

Aber oft wussten die Menschen damals noch nicht so genau wie wir heute, welche Mittel wie wirken. Viele Leute glaubten etwa, dass man gute Arzneimittel vor allem aus großen und gefährlichen Tieren herstellen kann. „Das hier sind zum Beispiel Schlangenrädchen“, erzählt die Professorin. Sie zeigt auf ein Fläschchen, in dem kleine weiße Scheiben liegen. „Die sind aus Schlangenfleisch, die getrocknet und mit dem Stempel der jeweiligen Apotheke versehen sind.“ Schlangenrädchen schluckten die Leute bei Vergiftungen. Sie glaubten, dass eine Schlange sich nicht selbst vergiften kann. Also, meinten sie, müsse im Schlangenfleisch ein Gegenmittel sein. Das stimmt aber nicht. Heute wissen Forscher, dass Giftschlangen sehr wohl an ihrem eigenen Gift sterben können. Und dass Schlangenfleisch gegen Vergiftungen nicht hilft.

Wir gehen weiter. „Hier haben wir etwas vom Hirsch“, sagt Frau Wahrig. Es sind kleine Knöchelchen, die aus dem Herzen der Tiere stammen. Sie sollten schwachen Menschen wieder Kraft geben. Auch das funktioniert nicht. Aber die Apotheker damals probierten vieles einfach aus. Das konnte auch gefährlich sein. Von manchen Mitteln ging es den Kranken noch viel schlechter. Manche starben daran, erzählt die Fachfrau. „Deshalb wurden Apotheker auch oft als Kräuterhexen oder Giftmischer bezeichnet.“ So könnte man Bettina Wahrig heute auch nennen. Denn sie forscht an alten Arzneimitteln – und kocht sie im Labor sogar nach. „Das ist dann meist ein großes Ratespiel“, berichtet sie. Denn viele Pflanzen tragen heute andere Namen als damals. Dann probieren die Wissenschaftler hin und her – bis das Rezept stimmt. Dabei brauen sie nicht nur giftige Mittel. „Jedes Jahr zum ,Tag der offenen Tür‘ machen wir einen selbstgemachten Arzneiwein“, erzählt Frau Wahrig. Den können auch Kinder trinken. Und auch wenn der Saft keine Beschwerden lindert – schmecken soll er auf jeden Fall.

Bettina Wahrig, Professorin in Braunschweig, forscht an alten Arzneimitteln – und kocht sie im Labor sogar nach. Foto: Michael Stang

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