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Scheu und gar nicht böse: Wölfe kehren zurück

06.06.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Der Wolf hat in Deutschland kein gutes Image, davon zeugen Märchen wie „Rotkäppchen“ oder „Der Wolf und die sieben Geißlein“. Doch anders als in den Erzählungen der Brüder Grimm sind Wölfe extrem scheu und haben keinen Appetit auf Menschenfleisch.

Der Film „Wolfsbrüder“ läuft ab Donnerstag in den Kinos.  Foto: Polyband Medien GmbH
Der Film „Wolfsbrüder“ läuft ab Donnerstag in den Kinos. Foto: Polyband Medien GmbH

„Der Wolf hat schlicht kein Interesse daran, mit uns zusammenzutreffen, wir sind ihm egal“, sagt der in der Lausitz tätige Wolfsexperte Markus Bathen vom Naturschutzbund Deutschland (NABU).

Im Jahr 2000 galten die Tiere in Deutschland noch als ausgestorben. Heute leben hierzulande nach Schätzungen des Nabu 14 Rudel mit durchschnittlich jeweils acht Tieren, vor allem in den östlichen Bundesländern. Bald könnte das erste Rudel in der Lüneburger Heide heimisch werden. In Baden-Württemberg wurde ebenfalls ein Tier gesichtet. Bathen ist überzeugt: „Wölfe wird es bald überall geben, in allen Bundesländern.“ Spaziergänger dürften trotzdem so gut wie nie einem Canis lupus, einem europäischen Grauwolf, in freier Wildbahn begegnen. „Menschen sind für Wölfe gefährlich, über Jahrhunderte haben immer die Tiere überlebt, die den Menschen aus dem Weg gegangen sind“, sagt der Tierarzt Peter Blanché aus Großinzemoos in Oberbayern von der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe. Trotz der Scheu der Tiere gibt es immer wieder Geschichten, in denen sich Mensch und Wolf nahekommen. Eine der bekanntesten ist die Erzählung von Mogli. In Rudyard Kiplings berühmtem „Dschungelbuch“ zieht ein Wolfsrudel das elternlose Kind groß und zeigt ihm, was ein Wolf zum Überleben können muss. Auch im realen Leben gibt es das.

Eine dieser wahren Geschichten wurde nun mit wunderschönen Naturaufnahmen und einer etwas pathetischen, aber doch anrührenden Handlung verfilmt.

In „Wolfsbrüder“ (Kinostart 7. Juni) erzählt Regisseur Gerardo Olivares die wahren Erlebnisse von Marcos Rodríguez Pantoja, geboren 1946 in der spanischen Provinz Cordoba.

1953 zog der Siebenjährige mit einem Ziegenhirten als dessen Gehilfe in die Berge. Der alte Mann lehrte ihn alles, was er für das Leben in der Wildnis wissen musste. Als der Hirte starb, blieb Marcos alleine zurück. Zwölf Jahre lang lebte er dort, ohne eine Menschenseele zu treffen. Seine einzigen Freunde: Ziegen, eine Eule, ein Frettchen und Wölfe. „Ich sah einige kleine Wolfsjunge in den Bergen spielen und habe mich ihnen genähert, um mit ihnen zu spielen“, erzählt Pantoja im Presseheft des Films. Bis in ihre Höhle folgte er den Welpen. Die Wolfsmutter knurrte ihn erst mal an. Ein Riesenschreck für Pantoja, doch seine Angst war unbegründet. „Auf einmal kam die Wölfin näher und hat angefangen, mich abzulecken. Ab diesem Zeitpunkt wurde ich akzeptiert.“

Für den Wolfskenner Blanché eine ungewöhnliche Freundschaft, aber nicht ausgeschlossen: „Wölfe sind soziale Wesen, man weiß, dass sie gegenseitig ihre Welpen versorgen, und wenn einer verletzt ist, wird er vom Rudel mitversorgt, die lassen ihn nicht einfach sitzen“, erklärt er. Deshalb sei ein Kontakt zu einem Menschen möglich, der viel in der Natur unterwegs ist. „Wenn sie sich an ihn gewöhnt haben, baut sich die Scheu der Wölfe ab. Dann wäre es sogar denkbar, dass die ihn mitfuttern lassen.“ Trotz der möglichen Annäherung: „Ein Wolf wird kein Hund“, sagt Blanché. „So einem Wolf können sie kein Gehorsam beibringen.“ Das gelte auch für Tiere, die in Gefangenschaft groß geworden sind. Einfach auswildern lassen sich diese Tierpark-Wölfe aber trotz ihrer typischen Verhaltensweisen nicht ohne Weiteres.

Deshalb sind Experten auch skeptisch, ob der kürzlich aus einem Gehege im oberpfälzischen Lohberg entflohene „Pandur“ überleben wird. „Er braucht Glück, es kommt darauf an, wie schnell er lernt, Beute zu machen“, sagt die Direktorin des Bayerwald-Tierparks, Claudia Schuh. Der zweijährige Rüde ist gerade in dem Alter, in dem er auch in der Wildnis selbstständig geworden wäre. „Wenn sich Pandur nichts zutraut, wird er sich in die Wälder zurückziehen und verhungern“, schätzt die Tierärztin. Läuft es dagegen gut, könnte er sogar ein Rudel gründen. Eine gute Voraussetzung für die Suche nach einer Wölfin bringt Pandur nach Ansicht Schuhs auf jeden Fall mit: „Er ist ein schöner Wolf!“

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