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„Raus ins Freie und rumtollen!“

06.04.2013 00:00, Von Julia Lutzeyer — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Spannende Berufe: Jens Tesmann ist Hautarzt in Stuttgart

Die Haut ist die Hülle des Menschen. Sie ist auch die Grenze einer Person und ihre Verbindung zur Welt. Man kann sie nicht ablegen, auch nicht, wenn man aus der Haut fahren will. Jens Tesmann kennt sich gut mit dem größten Organ des Menschen aus. Er ist Hautarzt, auch speziell für Kinder, und arbeitet in einer Praxis in Stuttgart.

Herr Tesmann, Schlangen häuten sich. Und der Mensch?

Die Haut des Menschen häutet sich ständig. Aber nicht auf einmal, sondern fast unsichtbar in kleinen Schritten. Man kann sagen: Alle vier Wochen haben sich die Zellen der Oberhaut nahezu vollständig erneuert.

Die Haut ist unser Schutz: Was bedeutet das?

Eine ganze Menge: Zum einen wirkt sie wie eine Isolationsschicht, sodass wir vor Kälte und vor Hitze geschützt sind. Zudem reguliert die Haut die Körpertemperatur. Zum Beispiel durch eine Gänsehaut, wenn wir frieren. Da stellen sich die Härchen auf, damit mehr Luft dazwischen passt. Und Luft – das weiß man von Daunendecken – isoliert Körperwärme. Außerdem ist die Haut ein Kontaktorgan: Durch sie haben wir Körperkontakt und nehmen unsere Umgebung wahr. Die Haut lässt uns sozusagen die Welt fühlen: Beschleunigung genauso wie die Oberflächen von Objekten aller Art.

Warum ist nur Babyhaut so schön prall?

Babyhaut hat viel mehr Hyaluronsäure als ältere Haut. Das ist ein Zuckermolekül, das sehr viel Wasser im Gewebe binden kann. Das macht die Haut so prall. Diese Säure wird später nicht mehr nachgebildet. Zudem wird die Haut mechanisch strapaziert und Teile der Haut durch das UV-Licht der Sonne zerstört. Diese Schäden kann die Haut nur zu einem Teil reparieren.

Man sagt, die Haut hat ein Gedächtnis. Stimmt das? Und wie zeigt es sich?

Ja, die Haut hat ein Gedächtnis. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass Menschen, die im Kindesalter viele Sonnenbrände hatten, als Erwachsene oft an dem gefährlichen Schwarzen Hautkrebs erkranken. Schäden durch UV-Licht zeigen sich aber auch in den Altersflecken, die vor allem auf dem Handrücken oder im Gesicht entstehen.

Stubenhocker oder Draußen-rum-Toller: Was ist schlimmer für die Haut?

Nur mit Hilfe des Sonnenlichtes kann die Haut Vitamin D bilden. Das ist fürs Wachsen und damit für Kinder besonders wichtig. Deswegen: Raus ins Freie und rumtollen!

Wenn aber die Sonne scheint, sollte ein Kind – vor allem im Sommer – auch an Sonnenschutz denken und sich mit einer Creme gut gegen UV-Licht wappnen.

Was braucht ein acht- bis zwölfjähriges Kind für die Hautpflege?

Jeden Tag zu duschen ist nicht nötig. Das schadet eher. Hat man nicht gerade in Schlamm gespielt, genügt es, die Hände, das Gesicht und sich zwischen den Beinen zu waschen. Seife sollte man besser nicht verwenden, sondern ein Waschgel mit neutralem pH-Wert. Das schont den Säureschutzmantel der Haut. Wer badet, sollte ein Ölbad ins Wasser gegeben. Das schützt die Haut.

Warum gibt es heute eigentlich so viele Hautallergien?

Weil durch zu häufiges Duschen der Schutzmantel der Haut weggewaschen wird, reagiert sie häufig mit Irritationen. Daraus entstehen dann Allergien. Werden Kinder von Dreck und Bakterien ferngehalten, lernt das Immunsystem gar nicht, sich gegen die unterschiedlichen Stoffe zu wappnen.

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